CBD-Öl auf Rezept – ĂŒbernimmt die Krankenkasse die Kosten?

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CBD (Cannabidiol) ist einer der Inhaltsstoffe der Hanfpflanze. Die Einnahme eines Naturarzneimittels mit dieser Substanz kann bei einigen Erkrankungen hilfreich sein. Verschiedene Cannabisprodukte kann man bereits kÀuflich erwerben. Dazu zÀhlen

  • Frei verkĂ€ufliche NahrungsergĂ€nzungsmittel mit CBD
  • Medikamente, wie etwa das Mundspray Sativex

Sativex und Epidiolex bekamen schon im Sommer 2018 in den USA eine Zulassung und werden in erster Linie Patienten verschrieben, die Spastiken aufgrund einer Multiplen Sklerose haben. Auch Kindern mit einer speziellen Form der Epilepsie wird diese Arznei verordnet.

Die positiven Eigenschaften von Cannabidiol

Bekanntermaßen kann Cannabidiol eine Reihe von positiven Eigenschaften haben. Dazu zĂ€hlen die

  • angstlösende
  • entzĂŒndungshemmende
  • antiepileptische
  • antioxidative
  • antiemetische
  • neuroprotektive

Wirkung. Aus diesen GrĂŒnden kann CBD bei Erkrankungen, wie zum Beispiel Epilepsie, Multipler Sklerose, Spastiken, Angststörungen und bei Krebspatienten eine große Hilfe sein. Leider ist es nicht eindeutig per Gesetz geregelt, welche Indikationen vorliegen mĂŒssen, damit die Krankenkasse die Kosten fĂŒr eine Therapie ĂŒbernimmt.

Zu den bekanntesten Einsatzgebieten von CBD-PrÀparaten zÀhlen u.a. Epilepsien bei Kindern, eine Sklerose, das Dravet-Syndrom (DS) sowie das Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS).

Schwermetalle und Pestizide in Cannabisprodukten?

Je nach Anbaugebiet und der Sorte des Hanfes kann es zu potenziellen Umweltgiften wie Schwermetalle oder Pestizide in den Cannabismitteln kommen, denn Hanf ist ein Bioakkumulator. Dies bedeutet, dass er Boden- und Luftgehalt schneller aufnimmt, als er ausscheidet. Man sollte daher beim Kauf von Hanf und Hanfprodukten immer auf Bio-QualitÀt achten.

Was sind Terpene in CBD?

Bei den Terpenen handelt es sich um Kohlenwasserstoffe aus dem Cannabis. Dadurch bekommt sowohl die Pflanze wie auch die BlĂŒten ihren besonderen Geschmack. Die Terpene werden genau wie die Ă€therischen Öle in den klebrigen HarzdrĂŒsen der Hanfpflanze produziert.

Wie sieht es mit einem Kassenrezept in Deutschland aus?

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es in Deutschland noch kein zugelassenes cannabishaltiges Fertigarzneimittel. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Ärzte im Einzelfall eine verschreibungspflichtige Rezeptur nach NRF mit den Inhaltsstoffen der Cannabispflanze nicht verschreiben können.

Sehr gute Chancen fĂŒr eine KostenĂŒbernahme durch die Kasse hat man, wenn bereits eine allgemeine Bewilligung zur Übernahme der Kosten fĂŒr CBD-haltige PrĂ€parate vorliegt.

Kommt es zu Schwierigkeiten bei frei verkÀuflichen Vollspektrum-PrÀparaten?

Bei den Krankenkassen gehen zahlreiche AntrĂ€ge zur KostenĂŒbernahme fĂŒr cannabishaltige Mittel ein. Dies sollen in erster Linie zur medizinischen Therapie verabreicht werden.

Es muss unterschieden werden, welche Cannabinoide der Hanf enthÀlt. THC (Tetrahydrocannabinol), welches auch Dronabinol oder Nabilon genannt wird, ist ein Wirkstoff, der unter das BetÀubungsmittelgesetz fÀllt und somit verschreibungspflichtig ist, wenn ein Patient ihn zur medizinischen Therapie einsetzen möchte.

Dagegen ist der Konsum von CBD legal, denn dieses gilt nicht als BetÀubungsmittel oder als Droge. Dieser Extrakt ist unter bestimmten Voraussetzungen frei verkÀuflich erhÀltlich. Aus diesem Grund bekommt man Tropfen, Kapseln, Cremes, Salben und Cannabisöl in Drogerien und in verschiedenen Online-Shops zu kaufen.

Krankenkassen ĂŒbernehmen dafĂŒr jedoch auch nicht die Kosten, sodass man diese Produkte aus eigener Tasche zahlen muss. Grund hierfĂŒr ist, dass es sich nicht um Arzneien handelt, sondern vielmehr um NahrungsergĂ€nzungsmittel, deren Wirksamkeit nicht eindeutig belegt ist.

Wie ist dies gesetzlich geregelt?

Seit MĂ€rz 2017 können Ärzte CannabisblĂŒten, Cannabisextrakte und Medikamente mit Cannabinoiden als Rezepturarzneimittel verschreiben. Nach dem Gesetz handelt es sich hierbei um Cannabis als Medizin. Das Gesetz geht sogar so weit, dass es den Kassen vorschreibt, dass eine KostenĂŒbernahme fĂŒr Therapien dieser Art erfolgen muss. Betroffene mĂŒssen hierzu einen Antrag bei ihrer Kasse stellen.

In der Theorie sieht das gut aus, aber die Praxis zeigt ein vollkommen anderes Bild. Glaubt man einer Umfrage, dann wurde 2018 knapp 20.000 AntrĂ€ge auf KostenĂŒbernahme bei den verschiedenen Kassen gestellt, jedoch nur knapp 13.000 auch tatsĂ€chlich bewilligt.

Sicherlich sieht das Ganze von Kasse zu Kasse verschieden aus, dennoch kann man eine Linie erkennen. Die Barmer Krankenkasse liegt mit rund 71 % von bewilligten AntrÀgen deutlich an der Spitze, wÀhrend die AOK nicht einmal 2/3 aller AntrÀge bewilligt hat.

Wann hat man eine Chance auf KostenĂŒbernahme durch die Krankenkasse?

Verordnen Mediziner CBD als Arzneimittel, dann fĂ€llt es laut Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM) unter die VerordnungsfĂ€higkeit. Zum jetzigen Zeitpunkt bekommt man nur sehr wenige Fertigarzneimittel. Jedoch sind die Apotheken in der Lage CBD als Wirkstoff fĂŒr spezielle Rezepturen zu ordern und somit Cannabidiol-Lösungen herstellen.

Zumeist enthalten solchen Rezepturen einen CBD-Anteil von 20 Milliliter. Benötigt man als Betroffener eine solche Lösung, dann kann sich ein Antrag auf Übernahme der Kosten bei der Krankenkasse durchaus lohnen.

GemĂ€ĂŸ dem Gesetz mĂŒssen Krankenkassen die Kosten fĂŒr Cannabis als Medizin bei schweren Erkrankungen ĂŒbernehmen. Dies gilt jedoch nur, wenn andere Therapien zur Anwendung kamen und keine Wirkung erzielt werden konnte.

Bei einigen Krankheiten ist THC als Medizin sehr wirkungsvoll, weshalb Cannabidiol als Medizin verordnet wird. Sativex wird aus diesem Grund meist bei Übelkeit und Erbrechen durch eine Chemotherapie oder bei Tumorschmerzen verschrieben. Dieses Medikament enthĂ€lt sowohl CBD wie auch THC. Bei Knochenschmerzen allerdings wirkt Cannabidiol besser.

Wie sollte man bei der Beantragung vorgehen?

Damit der Arzt ein CBD-PrĂ€parat verschreiben darf und die Kosten dafĂŒr von der Krankenkasse ĂŒbernommen werden, muss man einen entsprechenden Antrag stellen. In diesem Antrag sollte in jedem Fall darauf hingewiesen werden, dass andere Therapien bereits ohne Erfolg durchgefĂŒhrt wurden und die Symptome der Erkrankung nicht gelindert werden konnten.

Nur unter solchen Voraussetzungen werden die Kosten fĂŒr eine Therapie mit Cannabis als Medizin ĂŒbernommen. Experten raten hier zu folgendem Vorgehen:

  • Informationen sammeln, welche Symptome können gelindert werden
  • Kontakt zur Krankenkasse aufnehmen und klĂ€ren, welche Unterlagen benötigt werden
  • Mit dem Arzt die Therapie mit Cannabis besprechen und sich ein Privatrezept ausstellen lassen
  • Die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse beantragen
  • Das Privatrezept durch ein kassenĂ€rztliches Rezept vom Arzt ersetzen lassen
  • Mit der Apotheke bezĂŒglich einer Kaufberatung Kontakt aufnehmen

Innerhalb von 3 bis 5 Wochen muss die Krankenkasse eine Entscheidung zur KostenĂŒbernahme treffen. Kommt es innerhalb der Frist nicht zu einer Entscheidung seitens der Krankenkasse, dann gilt der Antrag als angenommen – so das Bundessozialgericht Kassel. Das Sozialgericht Hildesheim geht einen Schritt weiter und erklĂ€rt eine befristete KostenĂŒbernahme als ungĂŒltig.

Welche Argumente sind fĂŒr eine KostenĂŒbernahme von CBD hilfreich?

Hat man gute Argumente bezĂŒglich der KostenĂŒbernahme, kann man diese vielfach auch erreichen. Eines der wohl wichtigsten Argumente ist, dass es mittlerweile eine Reihe von Apotheken gibt, die keine Möglichkeit haben CBD-reiche CannabisblĂŒten zu bestellen. Aus diesem Grund sind Lösungen, Öle und andere Medikamente fĂŒr eine Therapie erfolgversprechend.

Ebenfalls ein sehr gutes Argument ist es, dass man darauf hinweist, dass CBD selbst bei einer hohen Dosierung nicht psychoaktiv wirkt. Eine Reihe von Cannabis-Arzneimitteln, wie zum Beispiel Sativex enthalten neben dem CBD auch THC, welches als Nebenwirkung den Rauschzustand mitbringt.

Ein Cannabismedikament mit THC kommt allerdings wegen der zu starken Nebenwirkungen nicht in Frage, sodass ein CBD-Extrakt eher zu einer KostenĂŒbernahme fĂŒhrt.

Leider gilt Cannabis immer noch als Droge. Daher muss auch der Anbau von speziellen Hanfsorten genehmigt werden. FĂŒhrt man Cannabis mit sich, kann es bei einer Polizeikontrolle leicht zu MissverstĂ€ndnissen kommen, weshalb das Tragen eines sog. Cannabis-Ausweises sinnvoll sein kann. Dieser kann bei der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin per E-Mail beantragt werden.

Hilft bei der KostenĂŒbernahme das TherapiegesprĂ€ch mit dem Arzt?

Möchte man eine KostenĂŒbernahme durch seine Krankenkasse erreichen, sollte man in jedem Fall die Therapie mit seinem Arzt besprechen. Dieser kann dann ein entsprechendes Rezept ausstellen. Der Arzt kann hier entweder CannabisblĂŒten, Dronabinol oder andere cannabishaltige Medikamente, wie zum Beispiel Canemes ausstellen.

Je nach Anwendungsgebieten hat der Arzt auch noch andere VorschlĂ€ge fĂŒr eine Therapie. Möchte der behandelte Arzt sich nicht mit dem Thema Cannabis nĂ€her befassen, kann man sich auch direkt an die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin wenden. Diese geben Auskunft, welcher Arzt in der NĂ€he sich mit dem Thema Cannabis befasst und hilfreich zur Seite steht.

Was kann man tun, wenn Krankenkasse die KostenĂŒbernahme ablehnt?

Es gibt eine Reihe von FĂ€llen, bei denen die Krankenkasse die KostenĂŒbernahme fĂŒr Cannabis-Produkte ablehnt. Grund hierfĂŒr ist dann meist, dass Cannabis nicht als Medizin anerkannt wird und daher auch kein Grund fĂŒr eine KostenĂŒbernahme besteht.

Ist man als Betroffener von einer solchen Ablehnung betroffen, hat man verschiedene Möglichkeiten seine Beschwerden mit CBD zu behandeln.

  • Einspruch gegen die Ablehnung einlegen – unter UmstĂ€nden bis zur Klage vor dem Sozialgericht
  • Privatrezept durch Arzt ausstellen lassen, um das Cannabisprodukt aus eigener Tasche zu zahlen
  • Frei verkĂ€ufliche Cannabis-Produkte nutzen

Welchen Weg man tatsÀchlich gehen möchte, sollte man im Einzelfall mit seinem Arzt besprechen. Der Arzt ist eine der wichtigsten Personen, wenn es um den Widerspruch oder die Klage gegen die Krankenkasse geht.

Zusammenfassung

Krankenkasse ĂŒbernehmen nicht automatisch die Kosten fĂŒr eine Therapie mit Cannabidiol. Es gibt eine Reihe von verschiedenen NahrungsergĂ€nzungsmitteln, die CBD enthalten, die man frei verkĂ€uflich erwerben kann. Wird Cannabidiol vom Arzt verschrieben, handelt es sich um Medizin und nicht um eine Droge, so das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM).

Quellen und weiterfĂŒhrende Links

Artikelbild: dolgachov / Bigstock.com

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