gz cb1 rezeptor 330264082

Steuerungsstelle f├╝r Schmerzen, Angst und Emotionen

Faktencheck

  • Als Entdecker des Endocannabinoidsystems und damit der CB1-Rezeptoren gilt der israelische Forscher Raphael Mechoulam.
  • Der CB1-Rezeptor ist eine Bindungsstelle f├╝r endogene Cannabinoide wie Arachidonoylglycerol oder Anandamid.
  • Aber auch Cannabinoide aus der Hanfpflanze wie beispielsweise THC oder CBD aktivieren die CB1-Rezeptoren.

CBD-├ľl soll helfen, Schmerzen zu lindern, Entz├╝ndungen zu hemmen und zahlreiche weitere Beschwerden von Krankheiten zu verbessern. Doch warum ist das so? Die Wirkung von Cannabidiol ist auf das Zusammenspiel mit dem k├Ârpereigenen Endocannabinoidsystem zur├╝ckzuf├╝hren. Hier spielt vor allem der Cannabinoidrezeptor 1 ÔÇô kurz CB1-Rezeptor ÔÇô eine wichtige Rolle. Welche Funktionen der Signalempf├Ąnger hat, wo er sich befindet und wie die Bindung verschiedener Wirkstoffe sich entfaltet ÔÇô das erkl├Ąren die folgenden Zeilen.

Geschichte und Entdeckung: Cannabis f├╝hrte die Forscher

Hanf gilt schon seit Tausenden von Jahren als Heilmittel. Schon vor ├╝ber 5.000 Jahren wurde die Pflanze in der chinesischen Medizin eingesetzt. Doch warum die Inhaltsstoffe von Cannabis ÔÇô Cannabinoide genannt ÔÇô heilende und lindernde Wirkung entfalten k├Ânnen, das hat die Forschung erst im letzten Jahrhundert entdeckt.

Auf die Spur der Cannabinoidrezeptoren f├╝hrte die Forschung die Entschl├╝sselung der Substanzen der Cannabis-Pflanze. Um zu verstehen, warum der Konsum von beispielsweise Delta-9-Tetrahydrocannabinol (kurz THC) den Menschen in einen Rauschzustand versetzt, untersuchten die israelischen Forscher Raphael Mechoulam und Yehiel Gaoni zun├Ąchst, welche Bestandteile die Hanfpflanze hat und dann wo und wie sie im Organismus wirken. Diese Frage f├╝hrte zur Entdeckung des Endocannabinoidsystems (ECS).

In den 80er-Jahren waren sich Wissenschaftler sicher, dass es im menschlichen Organismus spezifische Bindungsstellen geben muss, an die THC und die anderen Cannabinoide andocken, um ihre Wirkung zu entfalten. Die Existenz der Cannabinoidrezeptoren wurde im Jahr 1988 schlie├člich erstmals im Gehirn von Ratten nachgewiesen. Im Jahr 1990 gelang es schlie├člich, die molekulare Struktur der Cannabinoidrezeptoren zu entschl├╝sseln.

Der CB1-Rezeptor im Endocannabinoidsystem

Mit der Entdeckung des Endocannabinoidsystems im zentralen Nervensystem (ZNS) wurden auch die wichtigen Bausteine definiert. Zu ihnen geh├Âren:

  • Rezeptoren
  • Endocannabinoide
  • Enzyme

Endocannabinoide sind k├Ârpereigene Stoffe, die sich an Signalempf├Ąnger binden oder diese stimulieren und damit die Aussch├╝ttung von Neurotransmittern (auch Liganden genannt) wie beispielsweise Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin ausl├Âsen. Die Signalempf├Ąnger sind in diesem Fall die Rezeptoren. Die Befehle werden dann an die Nervenzellen im Nervensystem weitergegeben. F├╝r den Abbau von ├╝bersch├╝ssigen Cannabinoiden werden schlie├člich die Enzyme gebraucht.

Die Signalempf├Ąnger sind die CB-Rezeptoren. Hier sind zwei Arten von Rezeptoren differenziert worden:

  • CB1-Rezeptor
  • CB2-Rezeptor

Hinter dem CB1-Rezeptor verbirgt sich also ein biologischer Signalempf├Ąnger in Zellmembranen. Er verf├╝gt ├╝ber sieben sogenannte Transmembrandom├Ąne (ein mit Lipid-Doppelschicht gespannter Teil) und besteht aus insgesamt 472 Aminos├Ąuren. In der Genetik wird er auf dem Chromosomenabschnitt 6q14-q15 kodiert.

Die Forschung hat bisher keine weiteren CB-Rezeptoren nachweisen k├Ânnen. Dennoch ist die Existenz weiterer Rezeptortypen nicht auszuschlie├čen, da die Wissenschaft hier noch in den Kinderschuhen steckt. Manche Forscher sind sich sicher, dass es weitere CB-Rezeptoren gibt.

Diese Cannabinoide docken an den CB1-Rezeptor an

Die beiden identifizierten Rezeptoren unterscheiden sich in ihrer Funktion und auch, welche Neurotransmitter an ihnen andocken, und/oder gesteuert werden. Hier werden zum einen die k├Ârpereigenen Cannabinoide (endogene) und k├Ârperfremde Cannabinoide (exogene) unterschieden.

Auch ihre Art der Stimulation kann unterschiedlich sein: Binden sich die Liganden an den Signalempf├Ąnger und l├Âsen somit eine Aktivierung von Neuronen aus, werden sie Agonisten genannt. Blockieren sie jedoch Reaktionen am Rezeptor, werden sie Antagonisten genannt.

CBD kann beispielsweise eine antagonistische Wirkung haben und die Wirkung von berauschende Botenstoffen blockieren ÔÇô was erkl├Ąrt, warum dieses Cannabinoid keine psychoaktive Wirkung auf den Menschen hat. W├Ąhrend THC hingegen ein Agonist ist und deswegen zu Rauschzust├Ąnden f├╝hrt.

Folgende Cannabinoide spielen f├╝r den CB1-Rezeptor eine wichtige Rolle:

  • Anandamid (Arachidonylethanolamid): Vollagonist, Endocannabinoid
  • 2 AG (2 – Arachidonoylglycerol ): Vollagonist, Endocannabinoid
  • Noladin├Ąther: Vollagonist, Endocannabinoid
  • Virodhamin: Antagonist, Endocannabinoid
  • NADA: Agonist, Endocannabinoid
  • THC (auch Dronabinol genannt): Partialagonist, exogenes Cannabinoid (aus der Hanfpflanze)
  • Cannabidiol (CBD): Agonist/Antagonist, exogenes Cannabinoid (aus der Hanfpflanze)
  • Cannabigerol (CBG): Antagonist, exogenes Cannabinoid (aus der Hanfpflanze)
  • Rimonabant: Antagonist, synthetisch

Anandamid (Arachidonylethanolamid) ist das bisher am besten erforschte k├Ârpereigene Cannabinoid. Die exogenen Cannabinoide Dronabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) stehen aktuell besonders im Fokus, da bereits therapeutische Wirkungen gezeigt werden konnten.

Von Schmerzen bis Gl├╝ckseligkeit: Diese Funktionen steuert der CB1-Rezeptor

Der CB1-Rezeptor und seine entsprechenden Agonisten sowie Antagonisten ist f├╝r die Steuerung zahlreicher Funktionen im ZNS verantwortlich. So werden durch Aktivierung oder Hemmung der CB1-Rezeptoren unter anderem das Schmerzempfinden im K├Ârper reguliert, aber auch Emotionen wie Angst werden dadurch gesteuert. Der CB1-Rezeptor ist ma├čgeblich f├╝r die Stimmung verantwortlich, Gl├╝ckseligkeit ist hier das Stichwort.

Ebenso geh├Ârt das Erinnerungsverm├Âgen und Ged├Ąchtnis, der Appetit und das Empfinden von Stress zu den regulierten Prozessen. Aber der Mechanismus des Lernens und die Motorik werden von diesen Signalempf├Ąnger beeinflusst, ebenso wie Alterungsprozesse. Der CB1-Rezeptor ist zudem f├╝r die Regulierung des Schlafs wichtig.

Um dies zu gew├Ąhrleisten, befinden sich die CB1-Rezeptoren fast ├╝berall in den Zellen des menschlichen Organismus. Haupts├Ąchlich haben Forscher sie in den unterschiedlichen Teilen des Gehirns ausfindig gemacht. Aber auch au├čerhalb des ZNS sind diese Rezeptoren zu finden: in der Lunge, in den Muskeln, im Darm, in Immunzellen und in den Geschlechtsorganen, in der Leber, in Knorpel und in der Bauchspeicheldr├╝se.

An manchen Orten existieren neben den CB1-Rezeptoren auch CB2-Rezeptoren. Dies ist in den Zellen des Immunsystems, der Leber, Knorpel und der Bauchspeicheldr├╝se der Fall.

Auswirkungen der Stimulierung von CB1-Rezeptoren bei Krankheiten

Die Aktivierung oder Hemmung von verschiedenen Mechanismen im K├Ârper ist vor allem f├╝r die medizinische Indikation interessant. Denn nachweislich k├Ânnen mit Stoffen der Hanfpflanze (sowohl THC als auch CBD) Beschwerden bei Krankheiten verbessert werden ÔÇô Schmerzen k├Ânnen gelindert oder Nebenwirkungen wie ├ťbelkeit deutlich abgefedert werden. Hier ist ein breites Feld an Erkrankungen im Fokus der Forscher, bei denen Cannabinoide als therapeutische Unterst├╝tzung zur Linderung eine Rolle spielen k├Ânnen.

Im Jahr 2016 gelang der Wissenschaft dazu ein wichtiger Durchbruch: Chinesische und amerikanische Forscher haben die Struktur des CB1-Rezeptors vollst├Ąndig entschl├╝sseln k├Ânnen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um Cannabinoide zu medizinischen Zwecken gezielt einsetzen zu k├Ânnen ÔÇô denn so k├Ânnen gew├╝nschte von nicht gew├╝nschten Wirkungen voneinander getrennt werden.

M├Âgliche und teilweise bereits praktizierte Einsatzgebiete sind:

  • Behandlung von neurotischen Schmerzen
  • Behandlung von neuropathischen Schmerzen
  • Multiplen Sklerose
  • neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Demenzerkrankung)
  • Depressionen
  • Appetitz├╝glung oder Appetitanregung
  • Krebs
  • Stresserscheinungen

Studien haben bereits gezeigt, dass die Einnahme von ├ľlen mit CBD vor allem bei hoher Dosierung und Konzentration positive Wirkung bei chronischen Schmerzen, Parkinson und Alzheimer, Epilepsie, Krebserkrankungen und Hautkrankheiten sowie Schlafst├Ârungen haben kann. Dies ist auf die Freisetzung und Wirkung des Cannabinoids am CB1-Rezeptor zur├╝ckzuf├╝hren.

Zusammenfassung

CB-Rezeptoren im Endocannabinoidsystem sind f├╝r zahlreiche Mechanismen im menschlichen K├Ârper wichtig ÔÇô hier docken sogenannten Cannabinoide an, die Freisetzung von Botenstoffen, Aktivierungen oder sogar Blockierung bestimmter Prozesse verursachen. Der CB1-Rezeptor spielt vor allem bei Stimmung, Schmerzempfinden, Alterungsprozessen und Co eine wichtige Rolle. Er steht daher f├╝r die Behandlung von Demenzerkrankung, chronischen Schmerzen, Depressionen und anderen Erkrankungen im Fokus der Forschung.

Die h├Ąufigsten Fragen / FAQ

ÔŁô Was ist CB1 und CB2?

CB1 und CB2 sind Rezeptoren. ├ťber sie werden exogene Cannabinoide aufgenommen.

Ôťö´ŞĆ Ist CBD ein Cannabinoid?

Ja, CBD ist ein Cannabinoid aus der Hanfpflanze.

­čöó Wie viele Cannabinoide gibt es?

Aktuell sind 113 isolierte Cannabinoide der Hanfpflanze bekannt.

­čĺć Was bewirkt CBD?

CBD soll im K├Ârper verschiedenste positive Effekte haben. So soll es z.B. bei Entz├╝ndungen, Stress, Schmerzen und vielem mehr helfen.

Quellen und weiterf├╝hrende Links:

Artikelbild: Usis / Bigstock.com

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