Darf ich nach der Einnahme von CBD Autofahren?

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Ihm wird Hilfe bei zahlreichen Krankheiten nachgesagt: Cannabidiol – kurz CBD – entstammt der Hanfpflanze. Doch schnell liegt die Assoziation zum verbotenen Joint nah, der high macht. So mancher Nutzer fragt sich da auch, ob der Konsum von Cannabidiol die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigt.

Sollte man sich nach CBD-Konsum ans Steuer setzen? Fällt der Drogentest bei einer Verkehrskontrolle wegen CBD positiv aus? Kann es rechtliche Auswirkungen haben? Die Antworten auf diese Fragen haben die folgenden Zeilen.

Drogen am Steuer: Das gilt in Deutschland

Drogen berauschen den Verstand, sie führen zu Wahrnehmungsstörungen und können auch die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr beeinträchtigen. Daher gibt es hier klare Regelungen für den Drogenkonsum verbotener Substanzen oder Grenzen wie beispielsweise bei Alkohol. Auch nach der Einnahme diverser Medikamente wird vom Autofahren abgeraten.

Im deutschen Verkehrsrecht werden beispielsweise Cannabis, Heroin, Morphin, Amphetamine oder Kokain als berauschende Mittel angesehen und sind hinterm Steuer tabu. Diese werden mit einem Bluttest nachgewiesen. Doch nicht immer wird gleich der Führerschein vollständig entzogen, wenn ein Autofahrer unter Drogeneinfluss bei einer Polizeikontrolle entdeckt wird.

Generell gilt dies als Verkehrsordnungswidrigkeit, nicht als Straftat. Ersttäter müssen nach einem positiven Drogentest mit 500 Euro Bußgeld, zwei Punkten in Flensburg und einem einmonatigen Fahrverbot rechnen. Wer mehrfach erwischt wird, muss höhere Bußgelder und ein dreimonatiges Fahrverbot einkalkulieren.

Gesetzeslage: CBD gilt aktuell nicht als Betäubungsmittel

Zu den oben genannten Strafen kann es nur kommen, wenn tatsächlich verbotene Mittel gefunden werden. In der Auflistung ist zwar Cannabis enthalten – doch Cannabis ist nicht gleich CBD! Cannabidiol (kurz CBD) ist genau genommen nur ein Bestandteil der Hanfpflanze. Und dieses Cannabinoid wird aktuell nicht als Betäubungsmittel eingestuft und fällt damit nicht unter die verbotenen Substanzen. Im Betäubungsmittelgesetz steht klar definiert: „Cannabidiol (CBD, eines der Hauptcannabinoide der Cannabispflanze) ist als Reinstoff derzeit nicht dem BtMG unterstellt.“

Für CBD-haltige Produkte, die auf Basis von Extrakten aus der Cannabispflanze hergestellt werden, beinhaltet das Gesetz derzeit folgende Formulierung: „Nach dem Buchstaben b unter der Position Cannabis in Anlage I zu § 1Abs. 1 BtMG sind Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen von den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften ausgenommen, wenn sie aus dem Anbau in Ländern der Europäischen Union mit zertifiziertem Saatgut (Nutzhanf) stammen oder ihr Gehalt an Δ-9-Tetrahydrocannabinol (THC) 0,2 % nicht übersteigt und der Verkehr mit ihnen (ausgenommen der Anbau) ausschließlich gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken dient, die einen Missbrauch zu Rauschzwecken ausschließen.“

Das bedeutet: CBD als Reinsubstanz ist ein legales Produkt. CBD-haltige Erzeugnisse fallen ebenso nicht unter das Suchtmittelgesetz, wenn sie die oben genannten Grenzwerte von THC nicht überschreiten.

Die Rechtslage ändert sich permanent. Derzeit ist auf europäischer Ebene ein Streit entbrannt. Die Europäische Kommission hat im letzten Jahr Pläne veröffentlicht, CBD als Betäubungsmittel einzustufen. Dieser Einschätzung hat der Europäische Gerichtshof jedoch Ende 2020 widersprochen. Aktuell werden wieder Anträge von CBD-Produkte als Novel Food geprüft.

CBD hat keine Folgen für den Führerschein

Mit der oben aufgeführten Einstufung von CBD durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kann ganz klar gesagt werden: Die CBD-Einnahme hat keine Auswirkungen auf den Führerschein. Gesetzlich gilt es nicht als Substanz, die Rauschzustände auslöst. CBD macht weder high, noch verändert es Wahrnehmung oder Koordinationsfähigkeit.

Vielmehr wird es oft als Antagonist für THC angesehen – ein weiterer Bestandteil von Hanf, der jedoch eine nachgewiesene psychoaktive Wirkung hat. CBD kann der Wirkung von THC entgegenwirken. Zudem wird CBD eine schmerzlindernde, stressreduzierende und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.

All das hat keine Konsequenzen bezüglich Deines Führerscheins. Wer CBD konsumiert, kann danach Autofahren, ohne rechtliche Folgen zu befürchten. Dosierungen, Konzentrationen oder Probezeit spielen in diesem Bereich keine Rolle. Zudem hat auch die WHO Cannabidiol eine gute Verträglichkeit zugeschrieben, Nebenwirkungen sind selten und gering.

Dennoch gibt es Gründe, die für Vorsicht am Steuer sprechen

Was erlaubt ist und jeder tun darf, ist jedoch nicht gleichzusetzen mit: Das sollte ich auch tun. Auch wenn strafrechtlich keine Folgen entstehen und CBD nicht fahruntüchtig macht, ist dennoch Vorsicht in der Kombination geboten, wenn Du CBD konsumieren willst und ein Auto fährst. Denn es gibt auch Argumente, die dafür sprechen, das Auto lieber stehen zu lassen.

Jeder reagiert anders auf CBD

Als Erstes sei hier zu erwähnen, dass jeder individuell auf CBD reagiert. Vor allem Einsteiger, die noch nicht an CBD-Extrakte gewöhnt sind und deren Wirkung noch nicht einschätzen könnten, sollten nicht kurz nach der Einnahme Autofahren. Gerade sensible Menschen sollten es dabei etwas langsamer angehen lassen.

Auch wenn Nebenwirkungen als selten und gering angesehen werden, sind sie nicht ausgeschlossen. Daher solltest Du als CBD-Einsteiger in Hinblick auf Schwindel, Übelkeit und Co erst einige Erfahrungswerte sammeln, bevor CBD einnimmst und direkt danach am Straßenverkehr teilnimmst.

Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen

Ein zweiter Grund für Vorsicht mit CBD im Straßenverkehr ist die noch nicht ausreichend erforschte Wirkung. Manche Experten unterstreichen eine müdigkeitsfördernde Wirkung, die jedoch umstritten ist und von anderen Experten wiederum als Mythos bezeichnet wird. Vielmehr würde hier „entspannende“ und „stressreduzierend“ mit „schläfrig“ verwechselt. Dennoch ist jegliche Form von Müdigkeit im Straßenverkehr unerwünscht. Ob eine stressreduzierende Wirkung sogar hilfreich im Auto sein könnte, ist noch nicht wissenschaftlich untersucht.

Untersuchungen zu möglicher psychoaktiver Wirkung

Allgemein wird immer wieder gesagt: CBD wirkt als Pflanzenstoff nicht psychoaktiv, verursacht keinen Rauschzustand. Doch inzwischen gibt es auch erste Studien, die zeigen, dass CBD in hohen Dosen schließlich doch auch eine psychoaktive Wirkung haben könnte.

So fanden Forscher bereits heraus, dass eine dem Rausch ähnliche Wahrnehmung möglich ist. Hier ist jedoch zu erwähnen, dass von extrem hohen Dosen ausgegangen wird – die sicher kein normaler Benutzer vor dem Autofahren zu sich nehmen würde.

Achtung Bestandsteilmix: Vorsicht bei Produkten mit mehreren Wirkstoffen

CBD selbst ist kein Betäubungsmittel. Doch das sieht bei THC anders aus. CBD-haltiges Öl oder Kapseln fällt derzeit nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, wenn es aus Hanfpflanzen gewonnen wurde, deren THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt. Das bedeutet, dass aktuell Präparate auf dem Markt sind, die auch bis zu diesem Grenzwert THC enthalten dürfen. Kann das im Straßenverkehr zu Schwierigkeiten führen?

Die Antwort lautet jein. Rechtlich gesehen sind die Mengen zu gering für Konsequenzen. Selbst bei einem täglichen Konsum von 2.000 Milligramm CBD-Öl und damit einer Ansammlung von 2-5 Milligramm THC im Organismus kommt es zu keinen Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit. Doch der Drogentests könnte hier dennoch positiv ausfallen – was unangenehme Umstände und Erklärungen bei der Verkehrskontrolle sowie weitere Tests und womöglich viele bürokratische Wege zur Folge haben kann.

Als Fazit gilt: Bei CBD-Ölen mit THC sollte aufgepasst werden. Wer sichergehen will, sollte besser auf Produkte zurückgreifen, die garantiert frei von THC sind – am besten durch unabhängige Laboranalysen und/oder Zertifikaten seitens des Herstellers nachgewiesen.

Eine echte Gefahr sind hier unseriöse Anbieter, die es mit der Produktqualität nicht so genau nehmen. Untersuchungen zeigen, dass bei vielen Produkten die Mengenangaben auf dem Etikett nicht immer mit der Realität übereinstimmen. Eine zu hohe illegale THC-Ansammlung kann nicht nur Deinen Führerschein gefährden, sondern auch Dich und andere Verkehrsteilnehmer!

CBD ist im Urintest nachweisbar

So mancher Konsument fragt sich trotzdem, ob CBD nachweisbar ist, wenn er in eine Polizeikontrolle gerät. Theoretisch ist das im Urin auch möglich. Doch hier sollte beachtet werden, dann auch nur das gefunden wird, wonach Polizisten und Beamte auch suchen. Es gibt kein Drogentest, bei dem nach einzelnen Substanzen spezifisch geforscht wird.

Bei Hanf gilt die Suche eher dem Tetrahydrocannabinol (THC) oder besser gesagt seinem Hauptmetabolit THC-COOH in Blut, Urin oder den Haaren. Doch die meisten Tests sind Schnelltest und keine ausführlichen Laboranalysen, der zudem auch nur mit Deiner Zustimmung durchgeführt werden darf. Gibt es hier verdächtige Pfunde im Testergebnis, wird erst ein genauerer Bluttest angeordnet, bei dem mittels Massenspektrometrie gezielter geforscht wird.

Generell wird gesagt, dass CBD noch zwei bis fünf Tage, nachdem Du es eingenommen hast, nachgewiesen werden kann. Genaueres hängt jedoch vom Einzelfall und verschiedenen Faktoren ab.

Ausländische Problematik: CBD in anderen Ländern

Diese Aussagen gelten nur für die Richtlinien in Deutschland. In anderen Ländern wird CBD nicht immer genauso gehandhabt. So gelten beispielsweise in unseren Nachbarländern Österreich und Schweiz andere THC-Grenzwerte. Daher sollte auch mit Erzeugnissen von ausländischen Herstellern vorsichtig umgegangen werden. Andere Länder kennen CBD-Präparate nicht oder ein selbst geringer Anteil von THC kann hier strafrechtlich verfolgt werden. Darüber solltest Du Dich im Vorfeld genauer informieren.

Zusammenfassung

CBD als Reinsubstanz gilt nicht als Betäubungsmittel und kann daher nicht zu einem Führerscheinentzug führen. Auch wird bei Verkehrskontrollen mit Schnelltests nicht spezifisch nach Cannabidiol gesucht. Dennoch gibt es Gründe, warum beim Autofahren mit CBD Vorsicht walten sollte – denn die Forschung zu Cannabidiol steckt immer noch in den Kinderschuhen.

Quellen und weiterführende Links

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