Wie Wohnungsnot und steigende Mieten Menschen krank machen und was man dagegen tun kann

Wie steigende Mieten Menschen krank machen

Die aktuelle Wohnungspolitik ist eng mit der Gesundheit der Menschen verknüpft. Denn: Mindestens zwei Drittel unserer Gesundheit werden von den gesellschaftlichen Verhältnissen bestimmt, in denen wir leben. Somit hat die Wohnsituation einen unmittelbaren Einfluss auf die Lebenserwartung.

Die Wohnungsnot und die damit verbundenen steigenden Mieten führen in Ländern wie Deutschland vor allem zu einer hohen psychischen Belastung. Diese kann auf Dauer krank machen und die Lebenserwartung verkürzen. Doch was genau kannst du dagegen tun?

Menschen mit niedrigem Einkommen sind gefährdeter für Erkrankungen

Mittlerweile zeigen mehrere Studien, dass die Klassenzugehörigkeit einen massiven Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen hat. Wer ein höheres Einkommen hat, lebt bis zu neun Jahre länger im Vergleich zu Geringverdienern. In den USA, wo das Gesundheitssystem besonders teuer ist, liegt der Unterschied sogar bei bis zu 20 Jahren.

Das Risiko für chronische Erkrankungen, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt ist zudem bei Menschen mit niedrigem Einkommen um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Auch Depressionen kommen häufiger vor. Diese Unterschiede betreffen alle Altersschichten: Bei Kindern zeigen sich öfter Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitliche Beschwerden.

Armut - Arme Menschen sterben im Durchschnitt 8 Jahre früher
Armut – Arme Menschen sterben im Durchschnitt 8 Jahre früher

Auch bei älteren Menschen gibt es Unterschiede: Während Personen mit hoher Rente und einer eigenen Immobilie im Durchschnitt länger selbstständig bleiben, werden Senioren mit niedrigem Einkommen im selben Alter doppelt so häufig pflegebedürftig.

Auch steigende Mieten beeinflussen die Gesundheit

Die Tatsache, dass ein niedriges Einkommen und ein höheres Risiko für Erkrankungen unmittelbar zusammenhängen, bestreitet heute kaum noch jemand. Die Auswirkungen der steigenden Mieten und der Wohnungsknappheit sind aber bisher kaum untersucht.

Dabei sind die Folgen der immer teureren Mietwohnungen sowie der Gentrifizierung und Aufwertung vieler Stadtteile nicht von der Hand zu weisen – gerade, was die Gesundheitsversorgung und die Gesundheit der dort lebenden Menschen anbelangt. Warum das so ist, erläutern wir dir in den nächsten Abschnitten.

Steigende Mietkosten sorgen für ein kleineres Einkommen

Die wenigsten Menschen reagieren auf steigende Mietkosten sofort mit ihrem Auszug. Sie passen sich so lange wie möglich – und zwar oft viele Jahre lang – an die immer ungünstiger werdenden Bedingungen an. Durch die höheren Mietkosten schrumpft ihr Einkommen, sodass weniger Geld für hochwertige und gesunde Lebensmittel, sportliche Freizeitbeschäftigungen, Hobbys und Ausflüge bleibt.

Höhere Mietpreise werden oft durch Mehrarbeit ausgeglichen

Mit einem geringeren Einkommen geht oft auch der Wunsch einher, noch mehr zu arbeiten, um den eigenen Lebensstandard zu halten – oder sich die Miete in Zukunft überhaupt noch leisten zu können. Dadurch kommt es wiederum zu einem Zeitmangel: Es bleibt kaum noch Zeit für die eigenen Kinder, die Partnerin oder den Partner und auch für sich selbst.

Der fehlende Ausgleich, der Bewegungsmangel, der vermehrte Verzehr von Fertigprodukten – all das wirkt sich wiederum nachteilig auf die Gesundheit aus.

Steigende Mietkosten und Wohnungsknappheit sorgen für Überbelegungen von Wohnungen

Ein weiteres Problem, das mit der belastenden Wohnsituation in den Großstädten einhergeht und ebenfalls die Gesundheit negativ beeinflussen kann, sind die zunehmenden Überbelegungen von Wohnungen. In einem solchen Fall leben in einer Wohnung mehr Personen, als Zimmer vorahnden sind. In manchen Bezirken in Berlin sind bis zu 20 Prozent der Menschen betroffen und leben in überbelegten Wohnungen.

Infografik - steigenden Mieten in Deutschland
Infografik – steigenden Mieten in Deutschland

Nicht selten wohnen Kinder mit mehreren Geschwistern und teilweise sogar ihren Eltern hier in einem Zimmer. Rückzugsorte fehlen in solchen Wohnungen komplett, was zu Konzentrations- und Schlafstörungen führen und schlechte schulische Leistungen nach sich ziehen kann.

Auch die Unfallgefahr und das Risiko für Infektions- und Angsterkrankungen steigt in einem solchen Umfeld.

Darüber hinaus können Allergien, Asthma und Atemwegserkrankungen zunehmen, wenn viele Personen auf engem Raum zusammenleben.

Wohnungsnot sorgt oft für Verdrängung aus dem heimischen Viertel

Früher oder später geben die meisten Mieter auf, wenn die Mieten immer weiter nach oben klettern, und flüchten vor der finanziellen Mehrfachbelastung – oder können sich die Miete einfach nicht mehr leisten. Auch ein solcher Umzug ist psychisch sehr belastend: Menschen verlieren ihr Zuhause, ihr vertrautes Viertel, ihr soziales Netzwerk aus Kita, Schule, Freunden, Freundinnen und Nachbarn.

Die Suche nach einer neuen Wohnung kann nervenaufreibend und langwierig sein, was den psychischen Druck noch einmal erhöht.

Wohnungssuchende, die aufgrund der steigenden Miete ihr Zuhause verlassen müssen, leiden daher nicht selten unter Schlafstörungen und Depressionen.

Steigende Mieten und Wohnungsmangel: Welche gesundheitlichen Folgen drohen?

Die stetig nach oben kletternden Mietpreise und die Knappheit von Wohnungen haben zahlreiche negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen:

  • Stress und Erschöpfung
  • Psychosomatische Schmerzsyndrome wie Kopf- und Rückenschmerzen
  • Magenschmerzen und Reizdarm
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt
  • Schlafstörungen

Problematisch ist dabei, dass in Städten das Risiko für psychische Erkrankungen ohnehin höher ist als auf dem Land. Dies wird dann noch einmal durch die belastende Wohnsituation verstärkt.

Gesundheitliche Auswirkungen durch steigende Mieten reduzieren – was jeder Einzelne tun kann

Natürlich möchte niemand aufgrund seiner Wohnsituation früher oder häufiger erkranken oder gar seine Lebenserwartung verkürzen. Betroffene stellen sich daher die Frage, was sie selbst tun können, um trotz ihrer ungünstigen Wohnsituation gesund zu bleiben. Da sich die Wohnungspolitik kaum beeinflussen lässt, kann die Ursache des Problems nicht wirklich behoben werden.

Aber es hilft, die möglichen Folgen der steigenden Mieten und der Wohnungsknappheit zu kennen und von Anfang an zu versuchen, diese abzuwenden. Folgende Tipps können dir dabei helfen:

  • Mehrarbeit möglichst vermeiden: Es ist keine gute Idee, Überstunden anzuhäufen, um die steigenden Mietkosten abzufangen. Niemand kann auf Dauer nur arbeiten und eine schlechte Work-Life-Balance steigert das Risiko für Erkrankungen erheblich.
  • Richtig sparen: Wer weiß, dass die finanzielle Mehrbelastung durch Mietpreiserhöhungen oftmals dazu führt, dass man einen ungesünderen Lebensstil führt, kann dem entsprechend gegensteuern. Es ist verständlich, dass niemand seine Wohnung aufgeben möchte. Trotzdem solltest du nicht an der falschen Stelle sparen. Statt auf Junkfood zu setzen, kannst du beispielsweise am Abend nach frischem Obst und Gemüse zu reduzierten Preisen Ausschau halten.
  • Denke an Auszeiten mit deiner Familie: Statt komplett auf Freizeitbeschäftigungen zu verzichten, weil diese zu teuer sind, kannst du mit deiner Familie kostenfreie oder günstigere Unternehmungen machen.
  • Rechtzeitig die Notbremse ziehen und nach einer anderen Wohnung suchen: Wenn sich abzeichnet, dass die Miete für deine Wohnung immer teurer wird, solltest du nicht erst warten, bis es gar nicht mehr geht. Beginne frühzeitig, nach einer Alternative zu suchen. Das vermeidet Stress, Hektik, Druck und viele schlaflose und sorgenvolle Nächte, in denen du angstvoll in die Zukunft schaust. Hast du einmal eine neue Wohnung gefunden und den Neuanfang gewagt, wirst du sehen, dass eine Last von deinen Schultern fällt.

Grundsätzlich gilt also: Achte auf eine gesunde Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und viele Auszeiten, um trotz der Belastung durch die Wohnsituation nicht krank zu werden. Wenn du merkst, dass das nicht mehr funktioniert, ist es Zeit, etwas an der Situation zu ändern und nach einer günstigeren Wohnung Ausschau zu halten.

Deine Gesundheit wird es dir letztendlich danken – und nicht immer muss ein Neuanfang in einer anderen, günstigeren Gegend etwas Schlechtes sein.

Zusammenfassung

Gerade in Ballungsräumen sind Wohnungsknappheit und Mietpreiserhöhungen an der Tagesordnung. Diese führen bei den Betroffenen nicht nur zu viel Stress, sondern können auch die Gesundheit maßgeblich beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, über die möglichen Gefahren Bescheid zu wissen, um rechtzeitig gegenzusteuern und die Reißleine ziehen zu können.

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