Warum Sie mehr Umarmungen bekommen (und geben) sollten

Warum Sie mehr Umarmungen bekommen (und geben) sollten

Faktencheck

  • Die Länge der optimalen Umarmung ist umstritten. Manche Studien empfehlen 20 Sekunden, andere eher fünf Sekunden.
  • Kinder werden häufiger umarmt als ältere Menschen. Dabei kann gerade bei ihnen eine Umarmung der Gesundheit dienen.
  • Frauen reagieren in vielen Studien stärker auf Umarmungen als Männer.

Sie tröstet nicht nur, wenn wir traurig sind – eine Umarmung tut auch gut, wenn wir aufgeregt oder glücklich sind. Generell fühlt sie sich einfach wunderbar an. Doch die Umarmung kann viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Wissenschaft weiß längst, dass Berührungen uns nicht nur glücklicher machen, sondern auch für die Gesundheit förderlich sind. Warum Sie daher sich mit anderen mehr umarmen sollten, das verraten wir in den folgenden Zeilen.

Beruhigend: Umarmungen können Stress reduzieren

Wer mit etwas Schmerzhaftem oder Unangenehmen kämpft, dem kann eine Umarmung nicht nur trösten, sondern auch dessen Stress reduzieren. Das hat die Wissenschaft in verschiedenen Studien nachgewiesen. So wurde beispielsweise bei 20 Paaren in einer Untersuchung der San Diego State Universität gezeigt, dass das Halten des Arms eines Partners, während er Elektroschocks bekam, seine Stressreaktion deutlich verringerte. Die mit Stress verbundenen Teile des Gehirns waren weniger aktiv. Zur gleichen Zeit waren die Gehirnteile aktiver, die mit der Belohnung mütterlichen Verhaltens gekoppelt sind.

Untersuchungen des Touch Research Instituts der Universität Miami bestätigten ebenfalls, dass beispielsweise das Auflegen der Hand die Produktion von Stresshormonen senkt, aber gleichzeitig die Ausschüttung des Entspannungshormons Prolaktin erhöht.

Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass auch Umarmungen den Stress verringern. Eine andere Studie hat diesen Vorteil direkter nachgewiesen. So umarmten Frauen im Auftrag von italienischen Forschern der Universität Padua ihren Partner, bevor sie ihre Hand einige Minuten in Eiswasser tauchten. Eine deutlich reduzierte Stressreaktion wurde durch Messen des Cortisolspiegels in Speichel nachgewiesen. Cortisol gilt als Stresshormon, das katabole Stoffwechselvorgänge in Gang setzt und dadurch energiereiche Verbindungen für den Körper zur Verfügung stellt.

Bei Männern wurde dieser Effekt in der italienischen Studie nicht beobachtet. Zudem hatte die Umarmung auf andere Faktoren innerhalb der Studie keinen Einfluss.

Gesünder ohne Stress: Umarmung helfen dem Immunsystem

Stress kann unserer Gesundheit schaden. So hat das Stresshormon Cortisol auch eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Die Vermutung liegt daher nahe, dass Umarmungen auch der Gesundheit durch ihre stressreduzierende Wirkung helfen können. Forscher der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, Pennsylvania, haben genau diese Vermutung untersucht.

In ihrer Studie mit 404 Erwachsenen untersuchten sie die Auswirkung von sozialer Unterstützung und erhaltener Umarmungen auf stressbedingte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten der oberen Atemwege. Das Ergebnis: Die Teilnehmer mit einem größeren Unterstützungssystem wurden seltener krank oder hatten weniger schwere Symptome als Menschen, die kaum Unterstützung und Umarmungen erhielten.

20 Sekunden reichen: Bessere Herzgesundheit dank Umarmungen

Auch für das Herz sind Umarmungen gut. Nein, damit ist jetzt nicht das wohlige Gefühl gemeint, das Umarmungen in unserem Herzen auslösen. Auch hier gibt es gesundheitliche Vorteile, die die Wissenschaft bereits nachgewiesen hat. Forscher der Universität von North Carolina haben dazu 200 Menschen in zwei Kontrollgruppen aufgeteilt. Eine Gruppe hielt mit dem Partner 10 Minuten lang Händchen, gefolgt von einer Umarmung, die 20 Sekunden dauerte. Die andere Gruppe saß nur schweigend da. Die anschließende Messung der Menschen beider Gruppen zeigte: Mit Händchenhalten und Umarmung sankt sowohl der Blutdruck als auch die Herzfrequenz stärker.

Forscher ziehen daher den Schluss, dass Menschen in stabilen Partnerschaften mit vielen Berührungen und Umarmungen seltener an Herz-Kreislauferkrankungen leiden.

Weniger Leiden: Umarmungen können Schmerzen lindern

Tabletten, Salben und Co sind die Hilfsmittel, zu denen wir bei Schmerzen greifen. Doch auch hier kann eine Umarmung wirken und helfen, wie Wissenschaftler ebenfalls herausfanden. Eine Studie der Wichita State Universität und des Kansas Herz Krankenhaus zeigte, dass therapeutische Berührungsbehandlungen bei Menschen mit der chronischen Schmerzerkrankung Fibromyalgie deren Schmerzen linderte.

Umarmungen sind auch Berührungen, die schnell ein wohliges Gefühl in uns auslösen kann. Verantwortlich dafür ist das Hormon Oxytocin, das auch als Kuschel- und Bindungshormon bezeichnet wird. Es wird vermehrt durch Umarmungen ausgeschüttet.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung in Heidelberg haben beispielsweise gezeigt, dass Oxytocin nicht nur im Blut, sondern auch im Rückenmark ausgeschüttet wird. Dort kann es einen schmerzlindernden Effekt hervorrufen. Versuche mit Nagetieren haben bereits erste Beweise geliefert. Bei Menschen lässt sich die schmerzlindernde Funktion des Hormons schwieriger nachweisen, da das Oxytocin-System komplexer ist. Dennoch glauben die Forscher an eine ähnliche Wirkung im menschlichen Körper.

Wohlbefinden: Glücklicher und weniger ängstlich dank Umarmungen

Oxytocin wird aber auch als Glückshormon bezeichnet. Wenn wir jemanden umarmen, steigt seine Ausschüttung. Forscher zeigten, dass vor allem Frauen eine starke Reaktion mit diesem Hormon bei Berührungen und Umarmungen zeigen. Das senkt den Blutdruck und baut Stresshormone ab. Aber auch der Neurotransmitter Dopamin wird dank einer Umarmung vermehrt ausgeschüttet. Dopamin wirkt stimmungsaufhellend – Umarmungen machen uns also glücklich!

Auch Angst können Umarmungen vertreiben. Forscher der VU Universität in Amsterdam zeigten, dass Berührungen bei Menschen mit geringem Selbstwertgefühl ihre Angstzustände deutlich reduzieren konnten. Berührungen helfen bei existenziellen Ängsten, beispielsweise den Gedanken an die eigene Sterblichkeit.

Nicht nur Worte: Umarmungen helfen der Verständigung

Manche Dinge lassen sich nicht mit Worten oder der Mimik ausdrücken. Hier kann die Umarmung einspringen. Denn auch über diese Berührung werden Nachrichten versendet. Wir kommunizieren auch mit Umarmungen.

Wissenschaftler der DePauw Universität Indiana zeigten in einem Experiment, dass durch die Berührung eines Fremden die Emotionen Wut, Angst, Ekel, Liebe, Dankbarkeit und Sympathie mehr als zufällig ausgedrückt und verstanden wurden. Auch die Gefühle Glück und Traurigkeit konnten durch eine Berührung vermittelt werden. Die Umarmung kann daher auch eine sehr kommunikative Art der Berührung sein.

Vier Umarmungen fürs Überleben, acht Umarmungen für die Wartung und 12 Umarmungen für das Wachstum – das sagt Familientherapeutin Virginia Satir über die notwendigen Umarmungen pro Tag. Hier gilt das Prinzip: Viel hilft viel. Je mehr Umarmungen möglich sind, desto besser.

Zusammenfassung

Umarmungen tun nicht nur der Seele gut, wie jeder weiß. Auch für den Körper können sie viel erreichen: Schmerzen lindern, die Gesundheit stärken, Stress reduzieren. Wissenschaftler aus aller Welt haben zahlreiche positive Effekte der Umarmungen nachgewiesen und fordern auf: Umarme doch mal wieder einen geliebten Menschen!

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