Pathologische Lügner: Wie man mit den zwanghaften Lügen einer Person umgeht

Pathologische Lügner

Faktencheck

  • Pathologische Lügner sind krankhafte Lügner, die permanent die wildesten Lügengeschichten erzählen.
  • Normalerweise sind sie in ihren Lügen die Opfer oder Helden, um von anderen Sympathie oder Akzeptanz zu erfahren.
  • Manchmal glauben pathologische Lügner ihre eigenen Lügen selbst, was die Diagnose erschwert.

Pathologisches Lügen ist die Bezeichnung das chronische Verhalten einer Person, zwanghaft oder gewohnheitsmäßig zu lügen. Es wird auch als Mythomanie oder Pseudologia phantastica bezeichnet und unterscheidet sich als zwanghafte Lügensucht deutlich von der gelegentlichen Notlüge. Letztere verfolgt eher den Zweck, nicht in Schwierigkeiten zu kommen oder die Gefühle anderer nicht zu verletzen. Pathologische Lügner hingegen tischen dir ohne ersichtlichen Grund ständig Unwahrheiten auf. Das ist frustrierend. Wenn du nicht weißt, wie du damit umgehen kannst, bist du damit nicht alleine.

Zwar ist das pathologische Lügen seit über einem Jahrhundert als Erkrankung anerkannt, aber eine klare Definition für die Störung gibt es noch nicht. Bekannt ist jedoch, dass pathologisches Lügen häufig eine Begleiterscheinung anderer psychischen Erkrankungen ist. Dazu gehören zum Beispiel eine antisoziale Persönlichkeitsstörung (Soziopathie). Nicht immer ist das pathologische Lügen aber mit einer medizinischen Ursache verbunden.

Definition: Was ist ein pathologischer Lügner?

Wer zwanghaft, regelmäßig und ohne Grund lügt, ist ein pathologischer Lügner – auch als Pseudologe bezeichnet. Viele Ursachen werden für dieses Phänomen diskutiert, aber es ist bisher nicht eindeutig geklärt, warum manche Menschen zwanghaft lügen. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

  • Flucht aus der Realität
  • Der Wunsch, sich selbst interessanter darzustellen
  • eine Steigerung des Selbstwertgefühls
  • die Hoffnung, bei anderen gut anzukommen

Häufig werden Lügen erzählt, damit sich der Lügner als Held darstellen kann. Er möchte Sympathie oder Akzeptanz bei anderen erzielen. Mitunter tischen Pseudologen aber auch Geschichten auf, die scheinbar überhaupt keinen Sinn haben und keine Vorteile bieten.

Studien aus 2007 deuten an, dass Probleme mit dem zentralen Nervensystem mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für zwanghaftes Lügen verbunden sind. Auch bestimmte Persönlichkeitsstörungen gehen mit dem Verbreiten von Lügen einher. Das beste Beispiel dafür ist die antisoziale Persönlichkeitsstörung. Kopfverletzungen, Traumata sowie Anomalien des Hormon-Cortison-Haushalts werden ebenfalls als Ursachen für zwanghaftes Lügen diskutiert.

Im Jahr 2016 beschäftigte sich eine Studie mit der Frage, was beim Lügen im Gehirn passiert. Sie kam zu einem interessanten Schluss: Je häufiger eine Person Unwahrheiten erzählt, desto einfacher wird das Lügen – und desto öfter lügt sie. Pathologische Lügner könnten dementsprechend in einem gewissen Maß auch einfach aus Gewohnheit lügen.

Typische Merkmale und Charaktereigenschaften pathologischer Lügner

Es gibt einige Charakterzüge und Eigenschaften, die viele pathologische Lügner gemeinsam haben. Diejenigen, die wissenschaftlich anerkannt sind, stellen wir dir in den nächsten Abschnitten vor.

Die Lügen haben anscheinend keinen eindeutigen Nutzen

Die meisten Menschen lügen, um eine unangenehme Situation zu vermeiden. Sie wollen sich nicht in Verlegenheit bringen oder einfach keinen Streit. Ein pathologischer Lügner erzählt hingegen unwahre Geschichten, ohne dass das einen objektiven Nutzen hat. Das ist für Freunde und Familienmitglieder erfahrungsgemäß besonders frustrierend, da die lügende Person offensichtlich nichts davon hat, dass sie nicht die Wahrheit spricht.

Die erzählten Geschichten sind kompliziert, detailliert und dramatisch

Pathologische Lügner können fantasievolle Geschichten erzählen. Sie schmücken ihre Storys detailliert und bunt aus.

Auch, wenn es teilweise offensichtlich ist, dass die Lügen übertrieben sind, können pathologische Lügner sehr überzeugend sein.

Nicht selten sind die Lügen auch voller Drama. Typischerweise häufen sich Widersprüche, wenn der Pseudologe die Geschichte mehrfach erzählt, weil er sich nicht mehr an alle zuvor erzählten Details erinnern kann.

Pathologische Lügner sind oft Held oder Opfer in ihren Geschichten

Pseudologen stellen sich in ihren eigenen Lügengeschichten entweder als Held oder als Opfer dar. Sie erfreuen sich an der Aufmerksamkeit und dem Mitleid. Manche Lügen zielen auch darauf ab, Akzeptanz, Sympathie oder Bewunderung durch andere zu erhalten. Mit dem Lügen versuchen Pseudologen zum Teil, ihr Selbstwertgefühl zu steigern.

Einige Pseudologen glauben scheinbar die Lügen, die sie erzählen

Manche pathologische Lügenerzähler glauben die unwahren Geschichten, die sie erzählen, anscheinend selbst. Die Geschichten sind irgendwo zwischen Wahn und bewusstem Lügen angesiedelt. Wenn ein Pseudologe seine Lügen selbst glaubt, ist es besonders schwierig, mit diesen Menschen umzugehen. Teilweise lügen sie nämlich so oft, dass sie den Unterschied zwischen Fiktion und Wahrheit gar nicht mehr erkennen. Weitere typische Eigenschaften, die viele pathologische Lügner mitbringen, sind:

  • ausgeprägte Eloquenz
  • gute Redegewandtheit
  • schauspielerisches Talent
  • Kreativität
  • schnelles Denken
  • Originalität

Die üblichen Anzeichen für Lügen fehlen oft. Pathologische Lügner machen keine langen Pausen oder vermeiden den Blickkontakt. Sie sind im Lügen geübt.

Wie sich pathologische Lügen und Notlügen unterscheiden

Jeder lügt. Der eine mehr, der andere weniger. Die Zahl, wie oft wir täglich lügen, variiert je nach Quelle. Die einen reden von viermal am Tag, in anderen Studien wird von 25 Lügen pro Tag gesprochen und manche behaupten sogar, wir würden täglich 200 Mal die Unwahrheit sprechen. In aller Regel handelt es sich dabei um Notlügen, die – anders als pathologische Lügen – den Zweck haben, die eigene Haut zu retten oder andere nicht zu verletzen. In den folgenden Abschnitten erläutern wir dir den Unterschied noch einmal genauer.

Notlügen

Eine Notlüge wird nur gelegentlich ausgesprochen. Es handelt sich hierbei um kleine, harmlose Lügen, die keine böse Absicht haben. Gesagt werden sie üblicherweise, um die Gefühle anderer zu schonen oder Stress und Streit zu vermeiden. Als Notlügen gelten zum Beispiel:

  • „Ich habe Kopfschmerzen, ich kann heute nicht zur Arbeit.“
  • „Mir gefällt deine neue Frisur gut.“
  • „Ich stand im Stau, deshalb bin ich zu spät.“

Pathologische Lügen

Demgegenüber stehen pathologische Lügen, die sehr häufig und wie unter Zwang erzählt werden. Es gibt keinen offensichtlichen Grund oder Gewinn durch die Lüge. Der Pseudologe will sich damit als Opfer oder Held darstellen. Mehrheitlich haben die Lügenerzähler keine Schuldgefühle und keine Angst, entlarvt zu werden. Mögliche Beispiele für pathologische Lügen sind:

  • die Behauptung, an einer bedrohlichen Krankheit zu leiden, obwohl das nicht stimmt
  • von Erfolgen im Job sprechen, die es nie gegeben hat
  • eine Freundschaft oder Verwandtschaft mit einer berühmten Person angeben

Pathologischer Lügner oder nicht? Wie du einen Pseudologen in deinem Umfeld erkennst

Wenn du eine Person in deinem Umfeld hast, von der du vermutest, sie könnte ein pathologischer Lügner sein, ist es nicht so einfach, sie zu identifizieren. Häufig erzählen Pseudologen nämlich nicht nur auffällige, übertriebene Lügen, sondern auch immer wieder kleinere Unwahrheiten.

Achte darauf, ob sich die Person in ihren Geschichten häufig als Opfer oder Held darstellt. Auch aufwendige Erzählungen mit vielen Details und Ausschmückungen deuten auf einen pathologischen Lügner hin.

Manchmal hilft es, einen pathologischen Lügner zu enttarnen, indem du wiederholt mit ihm über dieselbe Geschichte sprichst. Manchmal erzählt er dann nämlich verschiedene Versionen derselben Lüge. Das liegt einfach daran, dass er vorher genannte Details vergessen hat.

Der richtige Umgang mit einem pathologischen Lügner – darauf solltest du achten

Es ist schwer, mit einem Menschen umzugehen, der einen pausenlos anlügt. Die Lügerei stellt das Vertrauen auf die Probe und lässt schon einfache Gespräche zu einer wahren Herausforderung werden.

Ist eine Freundschaft zu einem pathologischen Lügner für dich zu toxisch, kann es besser sein, die Verbindung zu beenden, um dich selbst zu schützen.

Liegt der pathologische Lügner dir sehr am Herzen, helfen dir vielleicht die folgenden Tipps, damit du richtig mit ihm umzugehen lernst:

  • Versuche, nicht die Beherrschung zu verlieren. Wenn du ständig belogen wirst, ist es schwierig, ruhig zu bleiben und nicht wütend zu werden. Dennoch solltest du freundlich, aber bestimmt bleiben und deine Unterstützung anbieten.
  • Rechne mit Ablehnung. Sprichst du einen pathologischen Lügner auf sein Problem an, reagiert er wahrscheinlich mit einer Lüge. Vielleicht ist er schockiert über die Anschuldigung und wird wütend. Bewahre dennoch die Ruhe.
  • Nimm die Lügen nicht persönlich. Denke daran, dass der pathologische Lügner nicht lügt, um dir zu schaden. Die Lügen richten sich nicht gegen dich, sondern sind ein psychologisch anerkanntes Krankheitsbild.
  • Gib dem Lügner ein gutes Gefühl. Befürchtest du, belogen zu werden, dann weise dein Gegenüber darauf hin. Stelle klar, dass der Lügner nicht versuchen muss, dich zu beeindrucken, sondern dass du ihn so magst, wie er ist.
  • Ermuntere den Pseudologen nicht. Hinterfrage, was er gerade erzählt, oder gehe gar nicht auf die Lüge ein. Dann hört er womöglich mit der Lüge auf. Es ist auch dein gutes Recht, deinem Gegenüber mitzuteilen, dass du dieses Gespräch aufgrund der Unehrlichkeit nicht fortsetzen möchtest.
  • Schlage professionelle Unterstützung vor. Teile der Person mit, dass du dich um sie sorgst und schlage ihr ohne Vorwürfe vor, sich professionelle Hilfe zu holen.

Bevor du das Gespräch zu einem pathologischen Lügner suchst, solltest du passendes Informationsmaterial vorbereiten. Du kannst diesen Artikel darüber ausdrucken oder einen Flyer besorgen. Damit drückst du aus, dass du dich schon genauer über die Erkrankung informiert hast und zeigst den Willen, der betroffenen Person zu helfen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Häufig ist es selbst für erfahrene Psychologen schwierig, bei einem pathologischen Lügner die richtige Diagnose zu stellen. Zunächst wird im Therapiegespräch eine genaue Anamnese durchgeführt. Das reicht aber normalerweise nicht, denn: Natürlich wird die Person auch an dieser Stelle versuchen, zu lügen. Ein wichtiger Bestandteil der Diagnose besteht darin, korrekt zu unterscheiden, ob die Person weiß, dass sie lügt, oder ob sie die Lügen glaubt, die sie erzählt.

Manchmal kommen Polygraphen zum Einsatz, um die Diagnose zu stellen. Der Lügendetektor dient nicht dazu, Betroffene beim Lügen zu ertappen. Er soll einfach helfen, die Situation einzuschätzen und herauszufinden, ob der Pseudologe in der Lage ist, den Polygraphen auszutricksen. Denn: Je häufiger es ihm gelingt, zu lügen, ohne dass der Polygraph es merkt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er seine eigenen Lügen glaubt. Oft gehört auch die Befragung von Freunden und Familienmitgliedern bei der Diagnosestellung mit dazu.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ist das pathologische Lügen ein Symptom einer anderen psychischen Störung, besteht der erste Schritt vornehmlich darin, diese zu behandeln. Dies geschieht in der Regel im Rahmen einer Psychotherapie. Manchmal werden auch Medikamente verordnet, um Angstzustände oder Depressionen zu behandeln. Eine Verhaltenstherapie ist generell auch bei einem pathologischen Lügner ein guter und überwiegend erfolgreicher Behandlungsansatz.

Zusammenfassung

Pathologische Lügner erzählen anderen laufend erlogene Geschichten, bei denen sie selbst im Mittelpunkt stehen, und die von dramatischen Wendungen und fantasievollen Ausschmückungen geprägt sind. Im Laufe der Zeit werden sie zum Meister im Lügen, weshalb typische Anzeichen wie etwa lange Pausen oder das Vermeiden des Blickkontakts ausbleiben. Tatsächlich glauben manche pathologische Lügner ihre erfundenen Geschichten sogar selbst, wodurch sie sogar den Lügendetektortest erfolgreich bestehen können.

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