Synthetische Cannabinoide: Gefährlich für Diabetiker?

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In den letzten Jahren tauchen immer mehr Cannabisprodukte auf, die mit synthetischen Cannabinoiden behandelt wurden. In ihrer Wirkungsweise ähneln sie dabei dem Tetrahydrocannabinol (THC) aus der Cannabispflanze. Doch sie bergen große Risiken für die Konsumenten und haben zahlreiche Nebenwirkungen.

Was sind synthetische Cannabinoide?

Der Name „synthetische Cannabinoide“ kann täuschen, denn strukturell sind die Substanzen häufig nicht mit den natürlich vorkommenden Cannabinoiden zu vergleichen. In ihrer chemischen Zusammensetzung lassen sie sich in sechs Hauptgruppen untergliedern: [1]

  • Naphthoylindole
  • Naphthylmethylindole
  • Naphthoylpyrole
  • Naphthylmethylindene
  • Phenylactylindole
  • Cyclohexylphenole

Die künstlichen Cannabinoide werden häufig auch als Cannabimimetika bezeichnet. Sie gehören zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) und fallen unter das Betäubungsmittel- oder Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz. Herstellung, Einfuhr, Erwerb und Handel sind somit illegal und strafbar. Trotzdem werden sie als vermeintlich legaler Ersatz für herkömmliche Drogen vor allem Online oder in sogenannten „Headshops“ angeboten. Es finden sich mit den künstlichen Wirkstoffen versetzte Kräuter, Pulver, Kapseln oder Tabletten, die jedoch alles andere als harmlos sind.

Synthetisch Cannabinoide werden gerne unter den Namen CBD-Öl oder Straßen-CBD angeboten. Dies ist jedoch eine irreführende Bezeichnung für einen stark abhängig machenden Stoff. Denn im Gegensatz zu künstlichen Cannabinoiden ist CBD nicht illegal, wirkt nicht psychoaktiv und macht auch nicht abhängig.

Wie werden synthetische Cannabinoide eingesetzt?

Es gibt verschiedene Formen, in denen synthetische Cannabinoide auftauchen können. Sie werden beispielsweise auf eigentlich legale Produkte wie CBD aufgetragen. Außerdem gibt es THC-haltige Produkte sowie Haschisch, die mit den künstlichen Stoffen versetzt werden.

Die Wirkungsweise und Dauer ist dabei je nach Konsument sowie Art des synthetischen Cannabinoids unterschiedlich. Außerdem sind sie abhängig von Dosierung, Konsumhäufigkeit und Umfeld. Zudem ist das Cannabimimetika häufig unerforscht, daher lässt sich die Wirkungsweise schwer einschätzen. Einige Konsumenten berichten von einer Wirkungsdauer von drei bis sechs Stunden, andere von bis zu acht Stunden. Beim Rauchen oder Schnupfen macht sich die Wirkung schon nach wenigen Sekunden bemerkbar. Bei der oralen Einnahme dauert es etwas länger.

Zudem berichten die Nutzer von folgenden Wirkungsweisen:

  • Intensiver als „gewöhnliches“ Cannabis
  • Zufriedenheitsgefühl und Entspannung nach dem Konsum
  • Veränderung akustischer, visueller und haptischer Empfindungen
  • Halluzinationen
  • Leichte Stimulation

Was sind generelle Risiken künstlicher Cannabinoide?

Ein großes Problem der künstlichen Cannabinoide besteht darin, dass sie sich in der Herstellung nicht gleichmäßig auftragen lassen. Daher kann es schnell zur Überdosierung kommen. Auch innerhalb einer Lieferung kann der Gehalt an synthetischen Cannabinoiden stark schwanken.

Zudem kann der Konsum zu folgenden Nebenwirkungen führen: [2]

  • Angstzustände
  • Verlangsamte Atmung
  • Schnell eintretende Bewusstlosigkeit
  • Delirium und psychotische Episoden
  • Erbrechen
  • Herzinfarkt
  • Herzrasen
  • Krampfanfälle
  • Kreislaufprobleme
  • Motorische Einschränkungen
  • Mundtrockenheit
  • Panikattacken
  • Psychomotorische Unruhe

Außerdem wurde von gewalttätigem Verhalten berichtet. Im Global Drug Survey 2017 sind synthetische Cannabinoide als zweithäufigste Ursache für das Aufsuchen der medizinischen Notbehandlung aufgeführt. [3] Zudem sind mehrere Todesfälle bekannt, die auf Cannabimimetika zurückzuführen sind. Da es bisher kein Gegenmittel gibt, ist die notfallmedizinische Behandlung im Fall einer Überdosis sehr schwer.

Ob ein Produkt mit künstlichen Cannabinoiden behandelt wurde, kann mit bloßem Auge nicht erkannt werden.

Synthetische Cannabinoide und Diabetes

Was ist Diabetes?

Als Sammelbegriff für vielfältige Stoffwechselstörungen steht Diabetes mellitus. Das Hauptmerkmal ist die chronische Hyperglykämie (Überzuckerung). Umgangssprachlich wird Diabetes daher auch „Zuckerkrankheit“ genannt. Doch häufig ist nicht nur der Kohlenhydratstoffwechsel, sondern auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel gestört. Das Stoffwechselhormon Insulin steuert den Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel im Körper.

Bei einer Diabetes-Erkrankung kommt es beispielsweise zu einer Störung der Freisetzung des Insulins bis hin zu einem absoluten Insulinmangel. Hinzu kommen häufig weitere Störungen der Insulinwirkung an wichtigen Organen wie Gehirn, Leber dem Muskel- oder Fettgewebe. Diabetes kann zu akuten und chronischen Komplikationen führen.

Zu den akuten Komplikationen zählen beispielsweise Infektionen der Haut, Schleimhäute oder Luft- und Harnwege, schwere Über- oder Unterzuckerung sowie Zucker-Koma. Chronische Beeinträchtigungen entwickeln sich meist schleichend und betreffen insbesondere Personen, die eine unzureichende oder gar keine Stoffwechseleinstellung haben.

Besonders häufig sind Komplikationen an den großen und kleinen Blutgefäßen sowie am Nervensystem. Die bekanntesten Diabetestypen sind Diabetes Typ 1 und 2, die an dieser Stelle kurz vorgestellt werden sollen:

Typ-1-Diabetes

Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Die Insulin-produzierenden Zellen werden in der Bauchspeicheldrüse durch das körpereigene Abwehrsystem zerstört, wodurch der Körper kein Insulin mehr produziert. Dadurch kommt es zu einem absoluten Insulinmangel und die in der Nahrung erhaltenen Brennstoffe wie Glukose können nicht mehr ausreichend in die Körperzellen transportiert werden, wo sie normalerweise verstoffwechselt werden.

Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen daher ihr Leben lang mehrfach am Tag Insulin spritzen und die Dosis immer wieder anpassen. Der Diabetestyp tritt vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und betrifft rund 0,3 bis 0,4 Prozent der Bevölkerung.

Typ-2-Diabetes

Etwa 90 Prozent der unter Diabetes Leidenden, haben eine Form der Typ-2-Diabetes. Bei ihnen ist die Wirkung des Insulins in den Körperzellen vermindert. Man spricht auch von einer Insulinresistenz, die immer mit einem Insulinmangel gekoppelt ist. Dieser Typ zeigt sich in unterschiedlichen Graden von Insulinresistenz und Insulinmangel. Häufig tritt die Krankheit mit weiteren Problemen des Metabolischen Syndroms auf. Am häufigsten ist dabei Fettleibigkeit. Rund 80 Prozent der an Typ-2-Diabetes erkrankten sind adipös.

Sind synthetische Cannabinoide gefährlich für Diabetiker?

Das Thema Cannabis und Diabetes ist noch relativ unerforscht. Einige wissenschaftliche Arbeiten finden sich jedoch insbesondere im deutschsprachigen Raum sowie in den USA.

Eine Studie, die ihre Anfänge Mitte der 1980er-Jahre verzeichnet, beschäftigte sich beispielsweise mit dem Cannabiskonsum in Verbindung mit Prädiabetes. Die Studie lief über einen langen Zeitraum und die letzten Untersuchungen fanden 25 Jahre nach dem Start statt. Im Laufe der Zeit wurden über 3.000 Erwachsene untersucht, die zu Beginn der Studie zwischen 18 und 30 Jahre alt waren. Wer zur Enduntersuchung immer noch Cannabis konsumierte, hatte laut der Studie ein höheres Risiko für einen Prädiabetes.

Und auch bei Personen, die zwar nicht mehr kifften, in der Vergangenheit aber regelmäßig Cannabis konsumiert hatten, wurde häufiger ein Prädiabetes diagnostiziert. Heute wird die Studie kritisiert, da in ihrem Rahmen das Essverhalten nicht näher beleuchtet wurde. Heutige Wissenschaftler gehen davon aus, dass nicht das Cannabis selbst, sondern dadurch ausgelöste Heißhungerattacken und Fressflashs ein Prädiabetes beeinflusst haben könnten. [4]

Andere Studien scheinen genau das Gegenteil herauszufinden. So litten in einer amerikanischen Untersuchung mit rund 11.000 Teilnehmern der Universität von Kalifornien Cannabiskonsumierende seltener an Diabetes mellitus. Dies galt sowohl für ehemalige als auch aktuelle Konsumierende. Die Wissenschaftler vermuteten, dass die entzündungshemmende Wirkung von Cannabis dafür verantwortlich sein könnte.

Eine weitere amerikanische Studie mit 52 freiwilligen Probanden, die bereits über 50 Jahre in der Vergangenheit liegt, zeigte außerdem, dass Hanfgenuss den Blutzuckerhaushalt nicht wesentlich verändert. Bei 18 Teilnehmern wurde eine leichte Senkung des Blutzuckers festgestellt, bei 36 war er leicht erhöht. Beim Rest veränderte sich nichts.

Die Studien bezogen sich dabei jedoch alle auf natürlich vorkommendes Cannabis. Während auch hier die Forschungslage immer noch relativ dünn ist, sieht es bei synthetischen Cannabinoiden noch rarer aus. Zwar konnten bereits mehrere Risiken und Nebenwirkungen herausgefunden werden, was Diabetes betrifft, ist jedoch aktuell noch nicht viel bekannt.

Eine kleine klinische Studie, die vom britischen Unternehmen GW Pharmaceuticals in Auftrag gegeben wurde, beschäftigte sich jedoch genau damit: Die Studie habe laut des Unternehmens ergeben, dass das getestete künstliche Cannabinoid den Blutzuckerspiegel reduziere und die Funktion der Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse verbessere. [5] Das wäre zwar ein großer Vorteil, allerdings muss die Studie auch kritisch betrachtet werden. Schließlich stellt das Unternehmen selbst den Cannabisextrakt Sativex her. Es ist also durchaus im Sinne des Unternehmens, dass die Untersuchungen positive Effekte im Zusammenhang im Diabetes fanden.

In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass das natürliche Cannabinoid CBD, das weder psychoaktiv wirkt noch abhängig macht, einen großen therapeutischen Nutzen für die Ursache der Diabetes-Erkrankung bietet. Es macht beispielsweise Insulin effektiver, schützt die Leber vor Fetterkrankungen und kann die Homoöstase im Körper wiederherstellen.

Zusammenfassung

Synthetische Cannabinoide bergen viele Risiken und Nebenwirkungen. Zwar gibt es einige wissenschaftliche Arbeiten, die darauf schließen lassen, dass sie hilfreich bei Diabetes sein können, allerdings sind die Erkenntnisse sehr mau und es stehen Interessengruppen dahinter, die ein klares Ziel verfolgen. Dass synthetische Cannabinoide gefährlich für Diabetiker sind, lässt sich also noch nicht sagen, dafür ist die Forschungslage bislang zu dünn.

Quellen und weiterführende Links

  • 1Risk assessment report on a new psychoactive substance: methyl 2-{[1-(4-fluorobutyl)-1H-indole-3-carbonyl]amino}-3,3-dime- thylbutanoate (4F-MDMB-BICA) in accordance with Article 5c of Regulation (EC) No 1920/2006 (as amended) EMCDDA, Lisbon, March 2021
  • 2European Monitoring Centre for Drugs an Drug Addiction. Risk Assessments. 5F-MDMB-PINACA. 2018
  • 3Global Drug Survey 2017: https://www.globaldrugsurvey.com/past-findings/gds2017-launch/results-released/
  • 4Bancks, M. P., Pletcher, M. J., Kertesz, S. G., Sidney, S., Rana, J. S. & Schreiner, P. J. (2015). Marijuana use and risk of prediabetes and diabetes by middle adulthood: the Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA) study. Diabetologia, DOI 10.1007/s00125-015-3740-3.
  • 5Grotenhermen, F.: Verwendung von Cannabis reduziert Diabetes-Risiko, Hanf Journal Februar 2013
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