Schadstoffe auf dem eigenen Grundstück – was kann man tun und worauf sollte man achten?

Schadstoffe auf dem eigenen Grundstück

Immer öfter hört und liest man, dass Grundstücke mit Schadstoffen belastet sind. Grund hierfür sind auf der einen Seite der verantwortungslose Umgang mit Chemikalien und auf der anderen Seite Reste aus der Industrialisierung. In Deutschland gibt es rund 380.000 solcher Verdachtsflächen.

Auch wenn man dem Grundstück auf den ersten Blick die Kontamination nicht ansieht, ist der Boden verunreinigt. Vor dem Kauf eines solchen Grundstücks sollte man nach Möglichkeit immer ein Bodengrundachten in Auftrag geben. Erhärtet sich dieses, dann ist der Grundstückseigentümer zur Altlastensanierung verpflichtet.

Warum werden Top-Grundstücke billig verkauft?

Nicht selten werden Top-Grundstücke mit einem maroden Gebäude zu sehr günstigen Kaufpreisen angeboten. Den meisten Kaufinteressierten ist bewusst, dass das Gebäude saniert oder gar abgerissen werden muss. Jedoch machen sich nur wenige darüber Gedanken, ob der Grund und Boden eventuell mit Schadstoffen belastet ist und eine Altlastensanierung erforderlich ist.

Wann ist eine Bodensanierung erforderlich?

Eine Bodensanierung ist immer dann erforderlich, wenn sich im Boden Stoffe befinden, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Im Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) werden solche Grundstücke ausdrücklich benannt:

  • Grundstücke, die der Abfalllagerung und der Abfallbearbeitung dienten
  • Grundstücke auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen und Materialien gearbeitet wurde
  • Grundstücke mit einer stillgelegten Abfallbeseitigungsanlage
Bodensanierung & Altlastenkataster
Wer sich ein Grundstück als vermeintliches Schnäppchen sichert, sollte sich vergewissenern, dass es keine Altlasten mitbringt. © anatoliy_gleb / Bigstock.com

Was versteht man unter dem Altlastenkataster?

Beim Altlastenkataster handelt es sich um eine Auflistung von Flächen, die mit einer Chemikalie belastet sind oder bei denen eine Verunreinigung festgestellt wurde. Des Weiteren werden im Altlastenkataster auch Flächen mit einem begründeten Verdacht auf eine Kontamination gelistet. Insbesondere gilt dies für Flächen, die in der Nähe von Wohngebieten oder Wasserschutzgebieten liegen.

Kontaminierter Boden ist oft belastet mit:

  • Arsen
  • BTX-Aromate (Benzol, Toluol, Xylol)
  • Chlorierter Kohlenwasserstoff (CKW)
  • Methan
  • Mineralölkohlenwasserstoff (MKW)
  • Sonstige Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Schwermetalle

Woran lässt sich ein kontaminierter Boden erkennen?

Eigentümer von Grundstücken sind grundsätzlich für eine Altlastensanierung verantwortlich. Aus diesem Grund sollte man sich vor dem Kauf eines Grundstückes ausreichend informieren, ob eventuell eine Verunreinigung durch Chemikalien besteht. Dazu kann man sich entsprechende Informationen aus dem Altlastenkataster einholen.

Vor dem Kauf sollte man ein Baugrundgutachten erstellen lassen. Auch wenn ein solches Gutachten rund 1.000 Euro kostet, kann man sich damit vor weiteren finanziellen Risiken absichern.

Ist dem Käufer bekannt, dass das Grundstück irgendwann einmal zu einer stillgelegten Fabrik gehörte, sollte man sich ausreichend über die Historie informieren. Man muss sich im Klaren darüber sein, ob und mit welchen Chemikalien dort gearbeitet wurde. Dazu kann man sowohl Vorbesitzer wie auch andere Anwohner um Auskunft bitten.

Im Kaufvertrag sollte eine Klausel aufgeführt sein, die eine bestimmte Bodenqualität garantiert. Sollte sich im Nachhinein etwas anderes herausstellen, muss die Übernahme der Kosten von Sanierungsmaßnahmen zugesichert sein.

Schadstoffe im Boden können krebserregend sein

Für das Baugutachten werden dem Boden mittels Kernbohrungen Proben entnommen, die in Laboren analysiert werden. Je nach vorheriger Nutzung können sich die verschiedensten Gifte im Boden ablagern.

  • BTX-Aromate sind Benzinbestandteile, die in vielen industriellen Lösungsmitteln vorkommen. Diese Stoffe sind krebserregend und können auch das Nervensystem angreifen, wenn sie in hoher Konzentration vorkommen.
  • Chlorierte Kohlenwasserstoffe dienen in der Industrie als Lösungsmittel zum Entfetten von Metallen, werden aber auch in chemischen Reinigungen genutzt. Einige der Stoffe gelten als krebserregend.
  • Schwermetalle, wie zum Beispiel Blei, Cadmium und Quecksilber kommen in Industrieschlacken und deren Aschen vor. Sie sind unterschiedlich giftig und sehr stark krebserregend.
  • Besteht ein Verdacht auf Öl- oder Benzinrückstände, dann wird nach Mineralölkohlenwasserstoffen gesucht.

Wie kommen die Schadstoffe zum Menschen?

Böden filtern und neutralisieren allerhand Schadstoffe. Davon profitieren Mensch und Umwelt.
Böden filtern und neutralisieren allerhand Schadstoffe. Davon profitieren Mensch und Umwelt. Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt

Schadstoffe können durch den direkten Kontakt mit der Haut in den Menschen gelangen, aber auch durch das Einatmen von aufgewirbeltem Staub. In erster Linie werden die Schadstoffe über die Nahrung aufgenommen, indem man selbst angebautes Gemüse verzehrt. Auch Kleinkinder sind sehr stark gefährdet, wenn sie auf dem Boden krabbeln und dann die Hände in den Mund stecken.

Schadstoffe müssen aber nicht immer gefährlich oder gesundheitlich bedenklich sein. Es kommt auf den Schadstoff selbst und auf die Menge sowie auf die Nutzung der Grundstücksfläche an.  Durch einfache Maßnahmen kann man die Schadstoffe im Boden auch ungefährlich machen. Dazu zählt der Verzicht von Gemüseanbau bzw. das bloße Abdecken von kontaminierten Flächen. Aus diesem Grund ist es immer wichtig, dass die Grenzwerte bestimmt werden. Nur so kann klargestellt werden, in welchen Konzentrationen die Schadstoffe im Boden für den Menschen gefährlich werden.

Wo kann man sich über die Grenzwerte informieren?

Im Bundes-Bodenschutzgesetz werden seit 1999 die Altlasten geregelt. Die entsprechenden Grenzwerte können sowohl im Bundes-Bodenschutzgesetz als auch in der Bundesbodenschutzverordnung nachgelesen werden.

Wie können sich Käufer und Hausbauer absichern?

Müssen Schadstoffe auf einem Grundstück entfernt werden, haftet in der Regel der Eigentümer dafür. Er hat sicherlich die Chance, den Verkäufer zur Sanierung heranzuziehen, jedoch muss er diesem nachweisen, dass der von den Schadstoffen wusste. Daher sollte man sich vor dem Kauf immer juristisch absichern. Es ist möglich

  • sich im Kaufvertrag bestätigen zu lassen, dass der Vorbesitzer keine Ahnung zu Altlasten und dergleichen hat.
  • ein Baugrundgutachten durchführen zu lassen. Hier können sich Käufer und Verkäufer auch die Kosten teilen.
  • auf den Kauf zu verzichten, wenn sich Hinweise zu einer Schadstoffbelastung ergeben.
Sauberer Boden
Sauberer Boden – © Kanjana Kawfang Bigstock.com

Wer haftet bei einer Belastung?

Auch wenn man nicht schuld an der Belastung ist bzw. die Schadstoffbelastung verursacht hat, kann man unter Umständen für die Beseitigung der Schadstoffe haftbar gemacht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine Gefahr für die Umwelt vorhanden ist.

Das deutsche Rechtssystem kennt hier zwei potenzielle Verantwortliche:

  • Der Verursacher oder auch juristisch der Handlungsstörer, da er durch sein Verhalten für den Schaden verantwortlich ist.
  • Der Besitzer oder Pächter oder juristisch der Zustandsstörer, der für den Zustand seines Besitzes verantwortlich ist.

Hat man ein Grundstück verkauft, kann man als ehemaliger Eigentümer haftbar gemacht werden.

Zusammenfassung

Vor dem Kauf eines Grundstückes sollte man sich immer ausreichend über die Historie informieren, denn nur so kann man fast sicher ausschließen, dass es sich um ein belastetes Grundstück handelt. Beim geringsten Zweifel sollte immer ein Baugrundachten in Auftrag gegeben werden. Verkäufer eines Grundstückes sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie eventuell für die Beseitigung von Altlasten haftbar gemacht werden können.

Quellen und weiterführende Links

Artikelbild: © Sorapop / Bigstock.com

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