Marihuana, Cannabis und Multiple Sklerose

Marihuana, Cannabis und Multiple Sklerose

Faktencheck

  • Cannabis ist eine Hanfpflanze, die zahlreiche verschiedene Bestandteile aufweist. Darunter sind über 60 verschiedene Cannabinoide.
  • Die wichtigsten Bestandteile für medizinische Zwecke sind THC und CBD, letzteres ist legal.
  • Sativex ist ein Mundspray und das erste cannabishaltige Fertig-Arzneimittel, das seit 2011 verschrieben wird.

Das Thema Cannabis ist polarisierend. Während die einen an berauschte Kiffer denken, wissen die anderen, dass die Pflanze auch zahlreiche heilende Wirkungen haben kann. Studien haben gezeigt, dass Marihuana bei Menschen mit Multipler Sklerose helfen kann, Symptome wie Schmerzen und Spastik zu lindern. Was Betroffene beachten müssen, erklären die folgenden Zeilen!

Cannabis: Umstrittene Droge oder wirkende Heilpflanze?

Cannabis enthält insgesamt über 500 verschiedene Substanzen, darunter sind rund 60 verschiedene Cannabinoide. Die zwei wichtigsten Bestandteile sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).

Während THC eine berauschende Wirkung hat, liegt diese bei CBD nicht vor. Studien haben längst gezeigt, dass CBD entzündungshemmend, antioxidativ, antipsychotisch, schmerzlindernd und beruhigend wirken kann. Deswegen wird CBD in medizinischen Kreisen längst diskutiert und auch bei Krankheiten als Alternative eingesetzt.

Auch bei Multipler Sklerose ist das Kraut daher eine Behandlungsoption, die jedoch noch längst nicht in aller Munde ist, von Forschern jedoch eifrig untersucht wird.

Medizinisches Cannabis ist in Deutschland zur Verwendung legal, CBD fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Wenn die Produkte aus Nutzhanf gewonnen wurden, die einen THC-Gehalt unter 0,2 Prozent aufweisen, dürfen sie legal verkauft und verwendet werden. Aktuell diskutiert die deutsche Politik auch die Legalisierung von Cannabis für Genusszwecke.

Weltweite Forschung: Das sagt die Wissenschaft über Cannabis bei Multipler Sklerose

Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich schon eine Weile mit den Vorteilen von Cannabis bei Krankheiten wie auch der Multiplen Sklerose (MS). So hat eine Überblicksstudie, die am Konsortium der MS-Zentren in Tennessee gezeigt, dass Cannabinoide eine „bescheidene Wirkung bei Multipler Sklerose auf Schmerzen und Spastik“ haben könnte. Fünf Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass der Einsatz von Cannabinoiden von Vorteil sein kann.

Forscher der Universität in Colorado haben 2018 in einem Artikel beschrieben, dass eine ergänzende Behandlung mit CBD MS-Betroffene helfen kann, Schmerzen, Spastiken und auch Müdigkeit zu reduzieren. Dies würde zu einer verbesserten Mobilität führen.

Italienische Forscher haben im gleichen Jahr die Verwendung des Cannabinoid-Sprays Sativex bei MS-Patienten untersucht. Auch diese Studie zeigt, dass CBD bei der Schmerzlinderung effektiv sein kann. So stellten sie unter anderem fest, dass durch kalte Temperaturen verursachte Schmerzempfindlichkeit durch das Spray verbessert werden kann.

Sativex ist ein Mundspray, das sowohl THC als auch CBD enthält. Es ist verschreibungspflichtig. Das Spray wird auf die Wangenschleimhaut oder unter die Zunge gesprüht. Bis zu 12-mal am Tag kann es verwendet werden.

Britische Forscher der Universität in Plymouth haben in einer randomisierten Studie gezeigt, dass zwar keine Verbesserung der schweren spastischen Symptome durch Cannabinoide erreicht werden konnte, diese jedoch ein klinisches Potenzial bei Verbesserung von Mobilität und Schmerzen haben.

Spanische Forscher haben vorhanden Studien ausgewertet – insgesamt 17 Untersuchungen mit 3161 Menschen, die an MS leiden. Sie fanden eine nachweisliche Wirkung von Cannabinoiden bei der subjektiven Wahrnehmung der Betroffenen bei Spastiken, bei Schmerzen und Blasenstörungen.

Auch ein Ergebnis der Forschung: Mehr Betroffene würden bei besserer Wissenslage Cannabis verwenden

Die Wissenschaftler haben in Untersuchungen jedoch auch eins aufgezeigt: Die geringe gesellschaftliche Akzeptanz und die unsichere Rechtslage über Marihuana und dessen unterschiedlichen Bestandteilen sorgt immer noch für Vorsicht.

Untersuchungen zeigen, dass mehr Betroffene mit Multipler Sklerose zu Cannabis greifen würden, wenn die Wissenslage besser wäre. Doch viele tun es auch schon. Eine webbasierte Umfrage der National Multiple Sclerosis Society ergabt, dass rund 66 Prozent an MS erkrankte Menschen Cannabis zur Symptombehandlung nutzen.

Andere Umfragen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Cannabisprodukte werden hauptsächlich bei Schmerzen, Muskelkrämpfen und Spastik/Muskelverspannungen eingesetzt. Eine Studie des MS Centers der Universität von Rochester in New York fand heraus, dass 77 Prozent der Befragten medizinisches Marihuana als hilfreiche bei der Symptombehandlung empfinden.

Die Betroffenen berichteten von keinen Nebenwirkungen. Eine große Mehrheit sagt, dass die Lebensqualität sich deutlich verbessert habe. Rund 100 bis 300 Dollar geben sie durchschnittlich für medizinisches Marihuana im Monat aus.

In Deutschland wird die Pflanze inzwischen als symptomatische Therapiemöglichkeit genutzt. Bereits seit 2011 kommt Hanf als Therapie bei MS-Patienten zum Einsatz. Seit 2017 ist Cannabis als Medizin zugelassen, seither ist auch eine Kostenübernahme der Krankenkassen möglich. Rund 5.000 bis 10.000 Menschen erhalten eine Cannabis-Therapie hierzulande.

Die Umfragen zeigten jedoch auch die vorhandenen Befürchtungen der Patienten rund um die Cannabisanwendung auf. Am häufigsten wurden die begrenzten wissenschaftlichen Beweise und die Unsicherheit über den rechtlichen Status angeführt. Aber auch soziale Stigmatisierung, Suchtgefahr und negative Wirkungen von Cannabis auf die Psyche lassen manchen Patienten vor der Verwendung zurückschrecken.

Cannabis als Therapie: Vorteile und Risiken abwägen

Experten und auch Forscher weisen jedoch darauf hin, dass bei all den möglichen Vorteilen auch die Risiken für MS-Patienten ausreichend dargestellt werden müssen. Denn auch solch eine Therapie ist mit Risiken verbunden. Als erstes sei die nicht ausreichende Untersuchung, wie es bei anderen Arzneimitteln vorhanden ist. Auch stehen andere Mittel für die symptomatische Behandlung zur Verfügung, die in den Punkten Wirksamkeit und Pharmakologie stärker standardisiert sind. Dies sollten Betroffene bedenken.

Doch auch gängige Medikamente haben eine begrenzte Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Betroffene berichten, dass sie keinerlei Wirkung gezeigt haben, während die Cannabis-Anwendung ihnen deutlich mehr Lebensqualität zurückgebracht habe.

MS-Betroffene sollten über eine symptomatische Therapie mit Cannabis-Produkten mit ihrem Arzt sprechen.

Zusammenfassung

Die unterschiedlichen Bestandteile von Cannabis können bei verschiedenen Krankheiten eine medizinische Wirkung haben. So wird bei Multipler Sklerose der Einsatz von CBD und THC hinsichtlich der Verbesserung von Schmerzen und Spastik untersucht. Noch ist die Wissenslage nicht umfangreich, doch vielen Patienten hilft die Anwendung von Cannabis bereits.

WC#868#MOD#05.01.2023#PUB#07.01.2023#AMK##CAT#Gesundheit#TAG##
  • Hat Ihnen dieser Artikel weitergeholfen? Ihr Feedback ist uns sehr wichtig!
  • JaNein

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Inhalte auf unserer Webseite keine Heilversprechen beinhalten und auch keine Erfolgsgarantie gewähren können. Die Inhalte dienen der neutralen Information sowie der Weiterbildung. Unsere Beiträge können, trotz sorgfältiger Recherche und prüfen aktueller Studien, keine fachliche Beratung durch einen Arzt ersetzen. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Krankheiten immer den Arzt oder Apotheker.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Scroll to Top
Scroll to Top