Diese Dinge solltest Du nie zu einem chronisch kranken Menschen sagen!

Diese Dinge solltest Du nie zu einem chronisch kranken Menschen sagen!

Chronische Krankheiten betreffen oft jeden einzelnen Teil des Lebens und sind oftmals nicht direkt sichtbar. Manche Menschen, z. B. mit Fibromyalgie, haben oft ununterbrochen Schmerzen, 24 Stunden lang jeden Tag oder sind stĂ€ndig mĂŒde. Trotzdem ist die Krankheit nicht Ă€ußerlich erkennbar und Betroffene sehen ganz normal aus.

Unsichtbare Krankheiten erzeugen oftmals den Eindruck fĂŒr andere, dass die Betroffenen nicht wirklich krank sind. Durch dieses MissverstĂ€ndnis und dem allgemeinen Mangel an AufklĂ€rung ĂŒber chronische Krankheiten, können stigmatisierende Überzeugungen angefacht werden.

Auch wenn eine gute Absicht dahinter steckt, können solche RatschlÀge oder Meinungen unhöflich, abweisend und herablassend klingen.

„Du siehst gar nicht krank aus“

Das wissen Menschen, die an einer chronischen Krankheit, die nach außen hin nicht sichtbar ist, selbst. Diese sechs Wörter reduzieren die Gesundheit auf das Aussehen und nicht der Wahrheit entsprechend. Manche Menschen denken, sie wĂŒrden ein Kompliment machen, aber die Aussage kann auch bewirken, dass dem chronisch Kranken nicht geglaubt wird, er etwas vortĂ€uschen möchte oder die Krankheit gar nicht so schwerwiegend ist.

Chronische Krankheiten können aber schwerwiegend sein und den Betroffenen schwĂ€chen. Nur weil die Symptome fĂŒr jemanden, der den Kranken von außen betrachten, nicht zu sehen sind, heißt das nicht, dass sie nicht viel durchmachen mĂŒssen.

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Besser wĂ€re, etwas zu sagen, wie z. B. „Du siehst heute wunderschön aus!“ Oder einfach nachzufragen, wie es demjenigen denn heute geht. Ein wirkliches Interesse am Zustand ist wirksamer, als die Feststellung, die Krankheit nicht erkennen zu können.

Viele Menschen mit chronischen Krankheiten sehen Ă€ußerlich gut aus und erscheinen relativ gesund. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Schmerzen nicht real sind.

„Es gibt immer jemanden, dem es schlechter geht“

Viele Menschen haben Probleme im Leben, doch dies ist kein Wettbewerb untereinander. Schmerzen sind Schmerzen und ein Lebenskampf, ein Kampf. Das ist unabhĂ€ngig davon, was andere Personen durchmachen mĂŒssen. Die Erfahrungen sind fĂŒr jeden gĂŒltig und sollten nicht durch einen Vergleich mit denen eines anderen Menschen herabgesetzt werden.

Wenn Du sagst, dass es Leute gibt, denen es schlechter geht, kommt das der gleichen Bedeutung nach, dass das, was der Betroffene durch machen muss, nicht so schwerwiegend ist und er sich nicht beklagen sollte. Es klingt so, als ob derjenige nur einfach seine Perspektive Àndern sollte, dann wÀre es halb so schlimm.

Wenn jemand einen gebrochenen Fuß hat und ein anderer zwei gebrochene FĂŒĂŸe, bedeutet das nicht, dass deswegen der eine gebrochene Fuß dadurch weniger gebrochen ist. Sie können deswegen trotzdem nicht aufstehen und normal laufen, nur weil es jemanden gibt, dem es „schlechter geht“.

Vergleiche einen chronisch kranken Menschen nicht mit jemand anderem, dem es noch schlimmer geht.

„Hoffentlich geht es Dir bald besser“

Es ist eigentlich eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, jemanden, der krank ist, eine gute Besserung zu wĂŒnschen. Chronische Schmerzen sind jedoch langfristig und sie zu reduzieren oder ganz zu beseitigen, ist ein langwieriger Prozess. Auch wenn Du verstehst, dass diese Schmerzen von langer Dauer sind und Du hoffst, dass die Symptome bei dem Betroffenen nachlassen, kann diese allgemeine Aussage wie „Ich hoffe, dass es Dir bald besser gehen wird“ fĂŒr den Betroffenen frustrierend sein.

„Hast Du es schon einmal mit 
 versucht?“

RatschlĂ€ge ĂŒber eine bestimmte ErnĂ€hrungsweise oder die neuesten Heilmethoden sind meist unwissenschaftlich. Manche Menschen geben Tipps, wie man durch das Finden von Religion und die Hingabe an Gott, oder durch eine Reinigung mit „magischen“ KrĂ€utern die Seele reinigen kann und dadurch zugleich körperliche ZustĂ€nde. Das sind nur ein paar Beispiele von RatschlĂ€gen, die nicht hilfreich sind.

Auch wenn es wissenschaftliche belegte Ergebnisse zur Verbesserung von chronischen Schmerzen gibt, können diese RatschlĂ€ge herablassend wirken. Jeder chronisch Kranke hat wohl alles schon versucht, sich selbst zu helfen. Es wird kaum jemanden geben, der sich nicht die MĂŒhe macht, herauszufinden, was helfen kann, um sich besser zu fĂŒhlen.

Nur weil Yoga jemanden geholfen hat, einen verspannten Arm wieder zu heilen und derjenige jetzt eine Yogaschule eröffnet hat, heißt das nicht, dass jemand, dessen ganzes Nervensystem durcheinander ist, wie dies etwa bei Fibromyalgie der Fall ist, wieder repariert werden kann.

„Hast Du denn keine Angst, langfristig Medikamente einzunehmen?“

Das kann fĂŒr viele chronisch kranke Menschen ein schmerzhaftes Thema sein. Es gibt Untersuchungen dazu, dass einige Stimmungs- und Angststörungen bei Frauen mit Lupus im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung hĂ€ufiger auftreten und dass auch 20 % der Menschen mit Fibromyalgie, ebenso daran leiden. Wenn Du also mit jemanden, der chronisch krank ist, ĂŒber dessen Zustand redest, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass er deswegen auch psychische Probleme hat.

Nicht jeder nimmt Medikamente gegen psychische und/oder körperliche Erkrankungen ein und mit der Frage nach der Angst davor, könnte sich der Betroffene schĂ€men. Um normal funktionieren zu können, mĂŒssen viele Menschen Medikamente einnehmen. Die Nebenwirkungen wissen die Betroffenen selbst am besten und haben sich von ihren Ärzten beraten lassen.

„Es wird schon besser werden, Du musst nur Geduld haben“

Ja, das ist sicherlich ein gut gemeinter Ratschlag und mag fĂŒr bestimmte Dinge auch richtig sein. Aber nicht alle chronischen Krankheiten werden besser. Manche Menschen mĂŒssen ein Leben lang damit klarkommen. Geduld ist eine wichtige Tugend. Aber sag das nicht jemanden, bei dem das nicht zutreffen wird. Es könnte eventuell irgendwann besser werden, aber auch nicht! Produktiver wĂ€re herauszufinden, wie derjenige innerhalb seiner Grenzen leben und das Beste daraus machen kann, als zu erwarten, dass es ihm besser gehen wird. Es könnte bei dem Betroffenen ein GefĂŒhl der Ablehnung erzeugen, auch wenn Du es nur gut gemeint hast.

Chronische Krankheiten sind oftmals sehr langwierig und der Heilungsprozess kann sich ĂŒber Jahre hinausziehen. Manchmal dauern chronische Krankheiten ein Leben lang an.

„Du musst wenigstens nicht zur Arbeit gehen!“

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der Menschen, die aufgrund ihrer chronischen Krankheit nicht mehr in der Lage sind, einer beruflichen TĂ€tigkeit nachzugehen, machen sich darĂŒber große Sorgen. Sie haben sich nicht aktiv dafĂŒr entschieden und haben auch keinen Gewinn dadurch, eher das Gegenteil ist der Fall. Die meisten haben finanzielle Probleme, weil sie nicht arbeiten können.

Diesen Satz zu einem chronisch Kranken zu sagen, klingt fast wie Neid, auf ein Leben ohne Arbeit. Doch meist sind die Schmerzen ein Grund dafĂŒr und diese Aussage zu treffen, ist ohne Empathie und hat keinerlei Nutzen fĂŒr den Betroffenen. Besser wĂ€re es, sich in die Lage zu versetzen und zu fragen, ob Du irgendwie helfen kannst.

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„Ich weiß genau, wie Du Dich fĂŒhlst“

Wenn Du keine chronischen Schmerzen hast, dann kannst Du auch nicht wissen, wie sich das jeden Tag anfĂŒhlt. Empathie und EinfĂŒhlungsvermögen sind wichtig und positiv, aber der Vergleich von akuten mit chronischen Schmerzen, ist nicht gerechtfertigt und ohne Erfahrungswert. Du könntest eher z. B. sagen, dass Du Dir wĂŒnschen wĂŒrdest, zu verstehen, wie es dem anderen geht und ihm sagen, dass er wissen sollte, dass Du fĂŒr ihn da bist.

„Du bist doch noch viel zu jung, um so krank zu sein“

In jedem Alter kann ein Mensch krank werden. Dies hĂ€ngt nicht vom Alter ab, es können Babys, Sportler, Jugendliche erkranken, einfach jeder! Wenn Du zu jemanden sagst, dass er doch viel zu jung sei, um so krank zu sein, dann erweckst Du damit den Eindruck, dass sich derjenige nicht krank fĂŒhlen sollte, da er ja viel zu jung dafĂŒr sei. Damit kannst Du chronisch kranke Menschen sehr treffen, die sich nichts sehnlicher wĂŒnschen, als wieder gesund zu sein und ein normales Leben fĂŒhren zu können.

Wenn es etwas gibt, das einen als jungen Menschen traurig und chronisch krank macht, ist genau zu sagen, dass man viel zu jung ist, um krank zu sein, oder viel zu jung, um in Rente zu gehen. Leider berĂŒcksichtigt eine chronische Krankheit nicht, wen sie betrifft.

„Du brauchst einfach mehr Bewegung!“

Sport kann viele Male Wunder bewirken, aber als chronisch kranker Mensch kann man durch Sport noch krĂ€nker werden. Manchmal können sich die Schmerzen durch Bewegung verschlimmern. Dennoch mĂŒssen wir uns alle in einer bestimmten Menge bewegen. FĂŒr viele chronisch Kranke ist Sport nur begrenzt möglich. Ein kurzer Spaziergang mag vielleicht guttun, wenn jedoch jemand, der eine schlimme chronische Krankheit hat, dies ĂŒbertreibt, kann es passieren, dass die Krankheitssymptome sich noch weiter verschlechtern und dann der Betroffene danach tagelang im Bett liegen muss.

Sei vorsichtig mit Deinen RatschlĂ€gen und etwas besser zu wissen, als jemand, der eine chronische Krankheit hat. Er weiß am besten, wie er sich zu bewegen hat.

Zusammenfassung

Auch wenn es manchmal gut gemeint ist, sind SĂ€tze und RatschlĂ€ge fĂŒr einen Menschen, der chronisch krank ist, oftmals verletzend und können das GefĂŒhl auslösen, nicht verstanden zu werden. Solche Phrasen, wie z. B. „Du siehst gar nicht krank aus“ oder „Du bist doch viel zu jung, um schon so krank zu sein“, helfen demjenigen nicht weiter. Auch RatschlĂ€ge ĂŒber ErnĂ€hrungsweisen oder esoterischen AnsĂ€tzen können dazu fĂŒhren, dass sich derjenige weiter in sich zurĂŒckzieht und sich missverstanden fĂŒhlt.

Artikelbild: © Maridav / Bigstock.com

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